Monatsarchiv für November 2006

Schöne Parabel für das Stadium unseres Kapitalismus

Gestern Abend folgenden Einblick von einem Freund bekommen (name, height, sex, age, .. changed ;-) ):

X verdingt sich seit geraumer Zeit in einem Callcenter. Ist auch meist ganz zufrieden mit dem Job, ist nämlich nicht dumpfes Interviewen, Informieren oder gar Verkauf sondern technischer Support. X ist nämlich Netzwerktechniker und löst über die Strippe die diversen technischen Probleme, die Kunden mit ihren Routern, IP-Adressen, Modems, W-Lans u.s.w. haben.

Ok, X macht den Job also seit ein paar Jahren und kennt ihre Pappenheimer. Weiß natürlich auch die bekannt absurd lustigen G’schichtln aus eigener Erfahrung zu erzählen. Gibt sie immer noch, die Spezialisten, die den Unterschied zwischen dem Power-Button am Monitor und dem für den PC nicht durchschauen.
X weiß auch ganz gut wie man diesen Personen helfen kann. Führt sie sprachlich exakt und bildhaft erklärend in die Grundlagen ein. Zumindest so weit, dass sie zufrieden und glücklich ihre Probleme gelöst bekommen und ins WWW kommen oder ihren Email-Account nutzen können. Manche werden richtige Stammkunden, dankbare Vertraute. X weiß, dass diese Kunden ihm und seinen KollegInnen der technischen Support-Hotline vertrauen. Sollen sie auch, dazu sind X samt KollegInnen schließlich da. Bringt nicht zuletzt berechtigte Befriedigung.

‘Schöne Parabel für das Stadium unseres Kapitalismus’ weiterlesen

Solidarität mit den MitarbeiterInnen der ÖGB-Zentrale

Es ist ein Gebot der Stunde, sich mit den MitarbeiterInnen des Österreichischen Gewerkschaftsbundes zu solidarisieren.

Man möchte erwidern, wenn das schon ein Gebot ist, dann vielmehr eines der letzten Monate. Nun ist die Situation derer, die tagtäglich im Haus am Schottenring erscheinen mittlerweile besonders trostlos und krankmachend. Seit März/April muss man in den Gängen, Zimmern und Vorzimmern versuchen, ein gewisses Maß an Normalität aufrecht zu erhalten. Schon um nicht in das organisatorische Chaos hinein gezogen zu werden. Damit die sich auflösenden Strukturen nicht auf den eigenen privaten Raum übergreifen. Schon damit die destruktive Atmosphäre und Umgebung nicht zu allzu sehr die eigene Stimmung, Psyche und allgemeine Konstitution in Mitleidenschaft zieht.

Sie sind wahrlich nicht zu bemitleiden. Nicht einmal jene, die seit geraumer Zeit hauptsächlich daran werken, ihre eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen. Und es gibt natürlich auch KollegInnen, die im Moment primär ihre gewohnten Privilegien verteidigen. Teilweise derart mit Ellbogen und Egoismus, dass ihre direkte kollegiale Umgebung diese Ellbogen abbekommt.

‘Solidarität mit den MitarbeiterInnen der ÖGB-Zentrale’ weiterlesen

Ein neuer negativer Höhepunkt in dieser Welt, die sich Österreich nennt.

Einen schwachen Tag nachdem eine österreichische Spitzenpolitikerin, ihrerseits nichts weniger als Innenministerin, den Plan zu einer gewissen “A-Card” präsentiert. Das heißt, sich bitte eine A-Card für die Zuwanderer wünscht, für diese lästigen Unneddigen.

Einen Tag darauf hört man im Ö1-Morgenjournal, wie “Österreich” unschuldige Mütter, Kinder, Familien ausnützt, schikaniert, ihnen ihre Rechte vorenthält, sie gewaltsam in existenzgefährdende Gefahrenlagen drängt.
Dazu fällt einem nichts mehr ein. Das macht sprachlos, Kopfschütteln. Und dazu fällt einem viel ein. Ich möcht’ darüber reden, diskutieren, mich austauschen, und so geht es freilich vielen: Ein Grenze ist überschritten, Widerstand. No pasarán!

Jedenfalls findet diese Meldung ausnahmsweise einmal nur breite Empörung. DerStandard.at-Artikel wird seit dem frühen Vormittag minütlich und mit ziemlich einhelligem Tenor bepostet: “Zum Speiben. Zum Kotzen.” (Das ist mittlerweile schon herausragend angesichts der Regelmäßigkeit und zunehmenden Dichte brauner, rassistischer, chauvinistischer Postings.)

‘Ein neuer negativer Höhepunkt in dieser Welt, die sich Österreich nennt.’ weiterlesen

lange zeit hatte ich eine datei auf meinem desktop …

Den namen weiß ich noch, daher konnte ich sie auch noch finden, es gibt sie also immer noch.

Die datei auf dem desktop hieß ‘notes‘ und genau diesen zweck erfüllte sie auch. Ein word-dokument, das ich jederzeit schnell öffnen konnte, um etwas zu notieren.
Nach einem eintrag musste immer eine waagrechte (rahmen-)linie die notiz abschließen. Nächster eintrag. Nächste linie.
Gut, viele einträge sind es alles in allem nicht geworden, dafür dass ‘notes‘ für jahre auf dem desktop lag. So sieht es in meiner erinnerung zumindest aus, dass es jahre gewesen sein müssen. Und vor allem “jahre her”. Alles zusammen 8 seiten stelle ich nun fest.
Der blick auf eigenschaften/statistik zeigt

erstellt am: 1. Oktober 2001 10:42:00“.

Kommt mir länger vor. Dennoch, immerhin gute 5 jahre. Seit damals hat sich nicht nur bezüglich desktop viel geändert, pc’s sind gekommen und gegangen, festplatten von einem gehäuse in andere gewandert. Ich weiß noch, die ‘notes‘-datei musste immer mit. Erinnerung festhalten. Hat jeden ausmistanfall überlebt.

Heute:
anlässlich des aktuellen problems “Das Weblog braucht einen ersten Eintrag” (damit ich das mal ausprobiert hab und seh’, wie das optisch und so ..) kommt die erinnerung an die ‘notes’-datei zurück.
Bisschen gesucht, schnell gefunden, also tatsächlich auch auf den laptop überspielt. Lustige einträge. Zitate. Worterklärung. Gedanken. Ein buchtitel. Zwischendrin’ eine seite programmatischer gedanken zu “soziologie”. Soziologie wie ich sie mir wünsche. Dh. wie ich sie mir damals gewünscht habe.

Nett. Prinzipiell knüpf ich da noch heute an, nur liegt fast das ganze studium dazwischen.

Dann ein hyperlink ins www. Damals wusst ich sicher noch gar nicht, wie man “hyperlink einfügen” kann. Später hab ich dergleichen unterrichtet.
Dann ein liedtext. Nick cave. Ship song. Weitere zitate, gedanken, werksverweise, “aphorismen“.

Vor allem, der eintrag, an den ich mich wie keinen anderen erinnert habe, von dem ich stein und bein geschworen hätte, dass er in ‘notes.doc‘ an vorderer stelle vorkommt, der beitrag ist gar nicht drin.
Kann ihn aber noch auswendig. Ist viel älter, viel viel älter als ‘notes‘: die elektronische datei.
Stammt noch aus einer zeit, in der richtig mit hand und blei oder mit kuli in heftln geschrieben wurde. Was ich zettel vollgeschmiert und immer aufbehalten hab.

Zetteln, die waren immer dann notwendig, wenn ich etwas partout nicht dem unaufhaltsamen bewusstseinsstrom zum drüberwegwalzen überlassen wollte. Wenn ich s als schatz bewahren wollte, sentimental. Paulina sagt, pathetisch. Heute gibt’s für die kurzen notes zwischendurch blogs und ich werd’ wohl ab jetzt hier notieren … (was Paulina nicht minder pathetisch findet).

Ach ja, mein die jahre überdauerter geschätzter satz! Der hieß:

Ich liebe die Wörter subtil, fragil und sublim.




blank info