Das Sonntagszitat noch einmal als Fortsetzung des SoZi 19|09 und des Feiertagszitats 21|09 zur Gruppensoziologie. Allerdings gibt es noch nicht, wie eigentlich anvisiert und angekündigt, Zitatstellen zur “Gruppe zweiter Ordnung” sondern zuvor noch Passagen aus dem Kapitel:
5. Exkurs über “Gruppen-Tabus” und Gruppenselbstbetrug
Die Analyse einer sich zusammenfindenden und dann aufbauenden Gruppe, dann der gruppe in Aktion, bis zum möglichen Zerfall deckt eine Fülle von Feinverläufen auf, durch die Mitgliedsanwärter zu Gruppenmitgliedern, eine Versammlung von Anwärtern zu einer Gruppe gemacht werden. Von diesen Vorgängen treten einige bestimmte durchaus in deas Bewußtsein der Gruppe, das heißt, sie werden von den Gruppenmitgliedern als “Gruppe” registriert. Andere werden nur von einzelnen Mitgliedern bemerkt. Ene weitere Reihe von Prozessen wird “verdrängt”, darunter wiederum bestimmte stärker “tabuisiert”.
Etwas außerhalb der Reihenfolge gibt es hiermit ein “FeZi”. Statt des Sonntagszitats also ein Feiertagszitat. Letzten Sonntag habe ich ausgelassen, obwohl schon klar war, dass ich mit der Gruppensoziologie Claessens fortsetzen wollte.
Die im SoZi 19|09 zur ’sozialen Gruppe’ begonnene Miniserie widmet sich heute der Bezugs- und der Orientierungsgruppe. Die im SoZi 19|09 dargestellten strukturellen Zwänge gelten weiter und müss(t)en für diese Fortsetzung der Thematik eigentlich weiter gedacht werden.1
Mit dem nächsten SoZi möchte ich mich dann der Gruppen zweiter Ordnung zuwenden.
ps: dieser Eintrag zur Bezugsgruppe passt nicht nur als Kommentar zur ‘Grünen Vorwahlen’-Initiative wie das letzte SoZi sondern erst recht:
Allgemein auf unsere aktuelle gesellschaftliche Situation und im Speziellen auf die Parteienmobilisierungen und -demobilisierungen. Das politische Feld ist voller Gruppen, die sich abgrenzen müssen, an einander orientieren und sowohl koalieren als auch im Streit miteinander liegen. [↩]
Aus einem Buch, welches ich persönlich gerne zum Klassiker erheben möchtete; und das ich noch lieber als Pflichtprogramm sähe für StudentInnen der Soziologie, aber auch weiterer Sozialwissenschaften ebenso wie für in Wirklichkeit sowieso alle. Ein Buch, das z.B. einen perfekten Einstieg in sozialwissenschaftliches Wissen für Jugendliche bieten würde.
Sagen wir vielleicht ‘Schulstufe 6′: Die soziale Gruppe und Gruppenverbände Systematische Einführung in die Folgen von Vergesellschaftung
Ach ja! Und dieses SoZi – mit verspätetem Erscheinungstermin – hat übrigens kurzfristig und aus gegebenen Anlass ein anderes, ursprünglich hier vorgesehenes verdrängt. Der Anlass:
die in der Blogosphäre, auf Twitter und also allgemein in web2.0-Strukturen geführten Diskussionen(?) rund um die “Grüne Vorwahlen“-Initiative.
Ein Lehrbeispiel von Zwangsprozessen (siehe unten)1, also solchen, die in der sozialen Formierung unumgänglich sind, was nicht das “wie” sondern das “dass” meint. Dass mir das “wie” nicht sonderlich sympathisch ist, mag ich nicht mehr verhehlen und hab das auch hier zuletzt kommentiert.
Ob ich die letzte Nacht gemachten 3seitigen Notizen noch Online stelle, dazu geben ich mir sicherheitshalber noch ne weitere Nacht Bedenkzeit. Hier jetzt einfach das SoZi zur Woche:
… und freilich ist da mehr, und vl. auch ein weiteres Sonntagszitat nächste Woche zu Orientierungs- und Bezugsgruppen, vl. irgendwann zu Gruppen zweiter Ordnung. [↩]
Das Sonntags Zitat (SoZi) diesmal von einem der ganz wenigen Kritiker der bürgerlichen Bildung und der Schule:
Die Schule teilt die Menschen nach ihren Lebensaltern ein. Diese Einteilung beruhrt auf drei Voraussetzungen, die nicht in Frage gestellt werden. Kinder gehören in die Schule. Kinder lernen in der Schule. Nur in der Schule kann man die Kinder lehren. Diese einfach hingenommenen Voraussetzungen verdienen ernstlich in Frage gestellt zu werden.
Das Ende einer Zivilisation … oft beschworen und oft nichts als Weltuntergangsstimmung bzw. die schmerzlich wertende In-Eins-Setzung von Schwellenzeiten strukurellen Wandels mit dem Abgesang an eine “gute alte”, eine bessere Gesellschaftsform.
(Siehe nebenbei das Ende des SoZi 14|09 für eine Kritik dieses Fatalismus.)
Nichts desto trotz muss mensch nicht unbedingt die Augen davor verschließen, dass in der Menschheitsgeschichte immer wieder Zivilisationen ihr Ende gefunden haben …
… in this case …:
Euklid war der erste große Mathematiker in einer langen und unglücklicherweise irgendwann zu Ende gegangenen Reihe von Gelehrten, die in Alexandria arbeiteten. [..]
Ein Sohn des Ptolemeios, der – wenig fantasievoll – den gleichen Namen trug, bestieg als Ptolemeios II. den Thron und ließ eine gewaltige Bibliothek mit einem Gebäude bauen, das er zu Ehren der Musen mouseíon nannte. Das mouseíon war weder ein Musentempel noch ein Museum, sondern ein Forschungsinstitut: die erste staatlich geleitete Einrichtung dieser Art.
Das dieswöchige SoZi zur Form der «präbendalen Gesellschaft» bzw.: präbendalen Herrschaftsorganisation. Die «Präbenden», ist gleich, die Pfründe.
Doch nicht die angekündigte direkte Anknüpfung an die «zerstreute Gesellschaft», die auf der Formebene «fascistische Gesellschaft». (Aber der Faden lässt sich jeder Zeit wieder aufnehmen.)
Warum? Eine Analogie, ein Gedanke beschäftigt mich seit längerem und zunehmend. Wenn ich die besitzende Klasse der Industriellen, der Banker, Finanzweltjongleure etc. betrachte, finde ich – klarerweise – jede Menge struktureller Entsprechungen zur herrschenden Klasse im Ausklang des europäischen Feudalismus.
Genauer: mit der «höfischen Gesellschaft», wie sie Elias in seinen soziogenetischen und psychogenetischen Studien analysiert und beschreibt.
Der strukturelle Wandel va. von der zentralen Form des Familienunternehmens (neben den staatlichen Unternehmen und öffentlichen Wirtschaftsbereichen) zur heute immer mehr bestimmenden Form der durch Shareholder geleiteten Unternehmen scheint mir unsere gesamte Gesellschaft nachhaltig zu strukturieren. ‘SoZi 15|09: die präbendale Gesellschaft’ weiterlesen
… aus der bekannten ‘what does it mean‘-Reihe ein Video u.a. zur Geschichte der Bündelung durch Terminals. Geschichte der terminalistischen Bündelung?
Evoziert das Video bei euch auch sofort den Gedanken, dass unser Bildungssystem ebenso wie das Verständnis von Bildung abgrundtief antiquiert, va. aber hilflos ist; ergo quasi zwangsläufig hilflose Menschenen masse programmiert?
Vilém Flusser zur “Zerstreuung der hergebrachten Gesellschaftsgruppen durch die technischen Bilder”:
8. STREUEN
Die technischen Bilder stehen im Zentrum der Gesellschaft. Aber da sie penetrant sind, scharen sich die Menschen nicht um sie, sondern sie verkriechen sich, jeder in seinem Winkel. Die technischen Bilder werden ausgestrahlt, und an der Spitze eines jeden Strahls sitzt, einsam in die Enge getrieben, ein Empfänger. Auf diese Weise zerstreuen die technischen Bilder die Gesellschaft zu Körnern. Jedes technische Bild wird als Endpunkt eines Strahls, als ein »Terminal« empfangen. Daher bildet die zerstreute Gesellschaft keinen amorphen Sandhaufen, sondern ihre Körner verteilen sich nach der Struktur der von den Zentren ausgehenden Strahlen.
Diese Strahlen (die Kanäle, die Medien) strukturieren die Gesellschaft, etwa wie ein Magnet um sich herum Eisenspäne strukturiert. Die von der magnetischen Faszination der technischen Bilder zerstreute Gesellschaft ist wohl strukturiert, und eine Analyse der Medien bringt diese Struktur zutage. Die Medien bilden von den Zentren, den Sendern, ausgestrahlte Bündel. »Bündel heißen lateinisch »fasces«. Die Struktur der von technischen Bildern beherrschten Gesellschaft ist demnach fascistisch, und zwar ist sie faszistisch nicht aus irgenwelchen ideologischen, sondern aus »technischen« Gründen. So wie die technischen Bilder gegenwärtig geschalten sind führen sie »von selbst« zu einer fascistischen Gesellschaft.
Zum abschluss der woche 13 hätte ein kurzes, einigermaßen berühmtes und auf fetzig machendes zitat gepasst, va. weil thematisch die letzten einträgen hier im kellerabteil2.o ideal rahmend; die beiträge:
zum ‘degoutanten Poseur Fleischhacker‘ und seiner unästhetischen, auf ästhetiken aufsetzenden peinlichkeit einerseits,
sowie zu den Fotos von der Demo der ansonsten in der Öffentlichkeit der Stadt kaum repräsentierten Organisationen, Gruppen und Menschen andererseits.
Allerdings hab’ ich das zitat von Baudrillard, das mir da vorschwebt, schon vor 1½ jahren im kellerabteil abgelegt. Den eintrag hab’ ich anlässlich dessen gerade wiedergefunden. Und siehe, er passt auf heute sogar noch besser als auf damals. Handelt er doch – fast prophetisch – von der: Wiederaufführung eines Klassikers.
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