<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>kellerabteil 2.0 &#187; Immanuel Wallerstein</title>
	<atom:link href="http://www.kellerabteil.org/tag/immanuel-wallerstein/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.kellerabteil.org</link>
	<description>notizen gegen die unaufhaltbarkeit des bewusstseinsstroms</description>
	<lastBuildDate>Sun, 29 Jan 2012 15:20:24 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3</generator>
		<item>
		<title>SoZi 23&#124;09: Legitimation betrifft nicht die Massen, sondern die Kader</title>
		<link>http://www.kellerabteil.org/2009/06/legitimation-betrifft-nicht-die-massen-sondern-die-kader/</link>
		<comments>http://www.kellerabteil.org/2009/06/legitimation-betrifft-nicht-die-massen-sondern-die-kader/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 09:31:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hc voigt</dc:creator>
				<category><![CDATA[g|o]]></category>
		<category><![CDATA[Ideologie]]></category>
		<category><![CDATA[instruktiv]]></category>
		<category><![CDATA[Managementtools]]></category>
		<category><![CDATA[politisch]]></category>
		<category><![CDATA[SoZi]]></category>
		<category><![CDATA[SoziologieBlog]]></category>
		<category><![CDATA[Bürokratie]]></category>
		<category><![CDATA[demokratische Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Gruppensoziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gruppenverbände]]></category>
		<category><![CDATA[Immanuel Wallerstein]]></category>
		<category><![CDATA[instrumentelle Rationalität]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Max Weber]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[organische Intellektuelle]]></category>
		<category><![CDATA[Peripherie]]></category>
		<category><![CDATA[weltsystem]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.kellerabteil.org/?p=921</guid>
		<description><![CDATA[&#8230; gestern Nacht beim Lesen von Immanuel Wallersteins berühmter Studie über diese Passage gestolpert. Sie zeigt knapp und präzis einen entscheidendes Kriterium von Macht und Legitimität an, das sich wohl auch bei Max Weber nirgends so konzis dargestellt findet. Der erste relevante und banal erscheinende Schritt ist, Legitimität als immer partielle Legitimität zu begreifen: Politische [...]
Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1509-die-prabendale-gesellschaft/' rel='bookmark' title='SoZi 15|09: die präbendale Gesellschaft'>SoZi 15|09: die präbendale Gesellschaft</a></li>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/12/sozi-5009-weltvernichtungsmaschine/' rel='bookmark' title='SoZi 50|09: WeltVernichtungsMaschine'>SoZi 50|09: WeltVernichtungsMaschine</a></li>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/03/sozi-1309-das-leben-der-bilder/' rel='bookmark' title='SoZi 13|09: Das Leben der Bilder'>SoZi 13|09: Das Leben der Bilder</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; gestern Nacht beim Lesen von <a href="http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1509-die-prabendale-gesellschaft/" target="_blank">Immanuel Wallersteins berühmter Studie</a> über diese Passage gestolpert. Sie zeigt knapp und präzis einen entscheidendes Kriterium von Macht und Legitimität an, das sich wohl auch bei Max Weber nirgends so konzis dargestellt findet.</p>
<p>Der erste relevante und banal erscheinende Schritt ist, <a href="http://www.kellerabteil.org/2009/05/gewalt/" target="_blank">Legitimität</a> als <em>immer </em>partielle Legitimität zu begreifen:</p>
<blockquote><p>Politische Organismen sind immer stabiler, sofern sie wenigstens <strong>partielle Legitimität</strong> erreichen. In den Analysen über den Prozeß der Legitimation wird das Problem oft eher verdunkelt, weil der Blick fast ausschließlich auf das Verhältnis von Regierungen zu der Masse der Bevölkerung gerichtet wird.</p></blockquote>
<p>Die daran anschließenden Sätze sind typische Beispiele Wallerstein&#8217;scher Nüchternheit. Sie erscheinen sarkastisch, wie von (schwarzem?) Humor getragen und sind doch eher nur nüchterne, von euphemistischen Anflügen freie Darstellung<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2009/06/legitimation-betrifft-nicht-die-massen-sondern-die-kader/#footnote_0_921" id="identifier_0_921" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ich muss bei solchen Passagen trotzdem grinsen &amp;#8230;">1</a></sup>:</p>
<blockquote><p>Es ist fraglich, ob in der Geschichte der Menschheit sehr viele Regierungen von der Mehrheit derer, die von ihren Regierungen ausgebeutet, unterdrückt und mißhandelt wurden, für »legitim« gehalten wurden. Die Massen mögen sich ihrem Schicksal überlassen oder trotzig widerspenstig sein, sich über ihr zeitweiliges Wohlergehen wundern oder sich aktiv auflehnen. Regierungen aber werden in der Regel ertragen, weder geschätzt noch bewundert, noch geliebt, noch nicht einmal unterstützt.</p></blockquote>
<p>Es folgt die analytische Differenz: <span id="more-921"></span></p>
<blockquote><p>Legitimation betrifft nicht die Massen, sondern die Kader. Bei der <strong>Frage der politischen Stabilität</strong> geht es darum, wieweit die kleine Gruppe der Leiter der Staatsmaschinerie die größere Gruppe des zentralen Stabes und der regionalen Potentaten überzeugen kann, und zwar sowohl im Hinblick darauf, daß das Regime auf der Grundlage irgendwelcher allgemeiner Werte, deren Existenz diesen Kadern glaubhaft gemacht werden kann, errichtet ist und funktioniert, als auch, daß es im Interesse dieser Kader läge, wenn das Regime auch weiterhin ohne größere Störung funktioniert. Wenn solche Umstände vorherrschen, können wir ein Regime »legitim« nennen.</p></blockquote>
<p>Der Kontext diese Ausflugs von Wallerstein in die Frage der politischen Stabilität ist seine Analyse, inwieweit der Absolutismus als Absolutismus zu verstehen sei; nämlich nicht als Systembeschreibung der Sozialstruktur sondern als Ideologie.<br />
Und inwieweit der Absolutismus als <em>absolut </em>verstanden werden sollte. Dazu bringt er ua. diesen Vergleich ins Spiel:</p>
<blockquote><p>In vielerlei Hinsicht war die Macht des Königs sehr viel geringer als die der Exekutive in einer liberalen Demokratie des 20. Jahrhunderts, trotz der institutionellen und moralischen Beschränkungen, die es für letztere gibt. <strong>Denn der Staatsapparat des 20. Jahrhunderts verfügt über einen hohen Grad von Organisationskapazität, der die vermehrten Beschränkungen schon mehr als wettmacht</strong>.<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2009/06/legitimation-betrifft-nicht-die-massen-sondern-die-kader/#footnote_1_921" id="identifier_1_921" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Btw., die Hervorhebungen sind jeweils von mir">2</a></sup></p></blockquote>
<p>Wallerstein sagt hier also nicht weniger, als dass es in der heutigen liberalen Demokratieform westlicher Staaten Dank der hohen Organisationskapazität der instrumentellen Rationalität: deutlich mehr staatliche Repression in der Sozialstruktur gibt als in z.B. absoluten Monarchien des sagen wir mal 17. Jahrhunderts.</p>
<p>Ich frage mich, wie eine Debatte zwischen Foucault<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2009/06/legitimation-betrifft-nicht-die-massen-sondern-die-kader/#footnote_2_921" id="identifier_2_921" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Pastoralmacht, Biopolitik, Gouvernementalit&auml;t, &amp;#8230;">3</a></sup> und Wallerstein zu solchen Fragen ausgesehen hätte &#8230;</p>
<p>Jedenfalls denke ich – für mich –, dass ich diese Überlegungen und dass die analytische Differenz samt dem Begriff der <em>Organisationskapazität des Apparats</em> gut in die historische Analyse von großen Organisationen passt. Freilich darf hier nicht von einem vulgären Dualismus «Elite–Masse» zu einem Dualismus «Elite–Kader» übergegangen werden (den es schließlich auch gibt). Aber es ist lohnend, sich auf jeder Ebene – der Eliten, der Kader, der Stäbe, der Bezugsgruppen usw. – anzusehen, wie es um die Organisationskapazitäten der einzelnen Gruppen bestellt ist, und wie es um die Organisationkapazitäten einer Gruppe in Bezug auf konkrete andere Bezugsgruppen bestellt ist.<br />
(Womit ich wieder bei der <a href="http://www.kellerabteil.org/tag/gruppensoziologie/" target="_blank">Gruppensoziologie </a>gelandet wäre <img src='http://www.kellerabteil.org/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  )</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_921" class="footnote">ich muss bei solchen Passagen trotzdem grinsen &#8230;</li><li id="footnote_1_921" class="footnote">Btw., die Hervorhebungen sind jeweils von mir</li><li id="footnote_2_921" class="footnote">Pastoralmacht, Biopolitik, Gouvernementalität, &#8230;</li></ol><p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1509-die-prabendale-gesellschaft/' rel='bookmark' title='SoZi 15|09: die präbendale Gesellschaft'>SoZi 15|09: die präbendale Gesellschaft</a></li>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/12/sozi-5009-weltvernichtungsmaschine/' rel='bookmark' title='SoZi 50|09: WeltVernichtungsMaschine'>SoZi 50|09: WeltVernichtungsMaschine</a></li>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/03/sozi-1309-das-leben-der-bilder/' rel='bookmark' title='SoZi 13|09: Das Leben der Bilder'>SoZi 13|09: Das Leben der Bilder</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kellerabteil.org/2009/06/legitimation-betrifft-nicht-die-massen-sondern-die-kader/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>SoZi 15&#124;09: die präbendale Gesellschaft</title>
		<link>http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1509-die-prabendale-gesellschaft/</link>
		<comments>http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1509-die-prabendale-gesellschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2009 12:32:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hc voigt</dc:creator>
				<category><![CDATA[instruktiv]]></category>
		<category><![CDATA[Managementtools]]></category>
		<category><![CDATA[politisch]]></category>
		<category><![CDATA[SoZi]]></category>
		<category><![CDATA[SoziologieBlog]]></category>
		<category><![CDATA[urban|rural]]></category>
		<category><![CDATA[Bourgeoisie]]></category>
		<category><![CDATA[Eunuchen]]></category>
		<category><![CDATA[Feudalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkapital]]></category>
		<category><![CDATA[Immanuel Wallerstein]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Max Weber]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Elias]]></category>
		<category><![CDATA[Peripherie]]></category>
		<category><![CDATA[weltsystem]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsethik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.kellerabteil.org/?p=673</guid>
		<description><![CDATA[Das dieswöchige SoZi zur Form der «präbendalen Gesellschaft» bzw.: präbendalen Herrschaftsorganisation. Die «Präbenden», ist gleich, die Pfründe. Doch nicht die angekündigte direkte Anknüpfung an die «zerstreute Gesellschaft», die auf der Formebene «fascistische Gesellschaft». (Aber der Faden lässt sich jeder Zeit wieder aufnehmen.) Warum? Eine Analogie, ein Gedanke beschäftigt mich seit längerem und zunehmend. Wenn ich die besitzende Klasse der  Industriellen, [...]
Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/12/sozi-5009-weltvernichtungsmaschine/' rel='bookmark' title='SoZi 50|09: WeltVernichtungsMaschine'>SoZi 50|09: WeltVernichtungsMaschine</a></li>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/06/legitimation-betrifft-nicht-die-massen-sondern-die-kader/' rel='bookmark' title='SoZi 23|09: Legitimation betrifft nicht die Massen, sondern die Kader'>SoZi 23|09: Legitimation betrifft nicht die Massen, sondern die Kader</a></li>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1409-die-zerstreute-gesellschaft/' rel='bookmark' title='SoZi 14|09: die zerstreute Gesellschaft'>SoZi 14|09: die zerstreute Gesellschaft</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das dieswöchige <strong><a href="http://www.kellerabteil.org/beschlagwortung/sozi/" target="_blank">SoZi</a></strong> zur Form der «<em>präbendalen Gesellschaft</em>» bzw.: präbendalen Herrschaftsorganisation. Die «<em>Präbenden</em>», ist gleich, die <strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pfründe" target="_blank" class="broken_link">Pfründe</a></strong>.</p>
<p>Doch nicht die angekündigte direkte Anknüpfung an die «<strong><em>zerstreute Gesellschaft</em></strong>», die auf der Formebene «<em><strong><a href="http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1409-die-zerstreute-gesellschaft/" target="_blank">fascistische Gesellschaft</a></strong></em>». (Aber der Faden lässt sich jeder Zeit wieder aufnehmen.)</p>
<p>Warum? Eine Analogie, ein Gedanke beschäftigt mich seit längerem und zunehmend. Wenn ich die besitzende Klasse der  Industriellen, der Banker, Finanzweltjongleure etc. betrachte, finde ich &#8211; klarerweise &#8211; jede Menge struktureller Entsprechungen zur herrschenden Klasse im Ausklang des europäischen Feudalismus.<br />
Genauer: mit der «<em><strong>höfischen Gesellschaft</strong></em>», wie sie <a href="http://de.wikibooks.org/wiki/Soziologische_Klassiker/_Elias,_Norbert" target="_blank" class="broken_link">Elias</a> in seinen soziogenetischen und psychogenetischen Studien analysiert und beschreibt.</p>
<p>Der strukturelle Wandel va. von der zentralen Form des Familienunternehmens (neben den staatlichen Unternehmen und öffentlichen  Wirtschaftsbereichen) zur heute immer mehr bestimmenden Form der durch Shareholder geleiteten Unternehmen scheint mir unsere gesamte Gesellschaft nachhaltig zu strukturieren.<br />
<span id="more-673"></span>Und eben hier beschäftigt mich der Eindruck, dass viele strukturelle Bedingungen und &#8211; soziogenetische wie psychogenetische &#8211; Prozesse in diesem Zusammenhang <strong>heute</strong> &#8230; mit denen von Elias in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Über_den_Prozeß_der_Zivilisation" target="_blank" class="broken_link">Der Prozess der Zivilisation</a> beschriebenen Bedingungen und Prozessen vergleichbar sind (siehe z.B. Elias Beschreibung der «Konzentration», der «Ambivalenz zentrifugaler und zentripedaler Abhängigkeitsverhältnisse» etc.).</p>
<p>Ich vermute also, dass (1) die Analyse der Entwicklungen unseres Kapitalismus der Nachkriegszeit bis heute mit (2) dem methodischen Zugang von Elias und Blick auf  eine (3) historische Komparatistik va. der Strukturen, Dynamiken und aber auch «sozialen Felder» nicht nur spannend sondern äußerst gewinnbringend sein sollte.</p>
<p>In diesem übergeordneten Kontext kommt der Baustein «<strong>Präbendalismus</strong>» ins Spiel:</p>
<blockquote><p>Wir wollen mit dem Hinweis beginnen, den Weber zu den Folgen der beiden Formen der Desintegration eines Imperiums gibt: Feudalisierung wie in Westeuropa und Präbendalisierung wie in China.<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1509-die-prabendale-gesellschaft/#footnote_0_673" id="identifier_0_673" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Glossar zu Max Weber, The Religion of China, New York 1951, schreibt Hans Gerth: &nbsp;&raquo;Pr&auml;bende&laquo;: das Recht eines Amtsinhabers, aus Staats oder Kirchenland oder aus anderen &ouml;ffentlichen Eink&uuml;nften Gewinne zu erzielen. Weber bezeichnet solche Amtsinhaber als&nbsp;&raquo;Pr&auml;bendare&laquo;, also Amtspfr&uuml;nder. Ein politisches System auf der Grundlage einer K&ouml;rperschaft von Pr&auml;bendaren nennt Weber&nbsp;&raquo;Pr&auml;bendalismus&laquo;.">1</a></sup> Er führt an, dß ein gerade erst zentralisierter Staat sehr viel wahrscheinlicher aus einem feudalen als aus einem präbendalen System entsteht. Webers Begründung lautet:</p>
<p style="padding-left: 30px; ">Die occidentale Seigneurie entwickelte sich wie die orientalisch-indische durch Zersetzung der patrimonialstaatlichen Zentralgewalt, dort des Karolingerreichs, hier der Khalifen oder Maharadscha- und Großmoghul-Macht. Aber im Karolingerreich vollzog sich die Entwicklung auf der Basis stark vorwiegender Naturalwirtschaft und unter Benutzung der letztlich an das Gefolgschaftswesen anknüpfenden Vasallentreue zur Vernüpfung der zwischen König und Gemeinfreie tretenden Herrenschicht mit dem ersteren (<em>Anmerk.: = Feudalismus</em>). Feudalverhältnisse fanden sich, sahen wir, auch in Indien. Aber sie waren dort weder das für die Adels- noch für die Grundherrschafts-Bildung schließlich Ausschlaggebende. Im Orient überhaupt und so auch in Indien entwickelte sich vielmehr die dort typische Seigneurie aus der Steuerpacht und aus der Militär- und Steuerpfründe eines wesentlich stärker bürokratischen Staatswesens. Deshalb blieb sie dem Wesen nach »Pfründe« und wurde nicht »Lehen«: nicht eine Feudalisierung, sondern eine Präbendalisierung des Patrimonialstaats vollzog sich, die ihre occidentalen Analogien &#8211; wen auch solche von unterentwickelter Art &#8211; nicht im mittelalterlichen Lehen, sondern im Ämterkauf und der Präbenden etwa des päpstlichen Seicento oder der französichen Noblesse de Robe findet. [..]</p>
<p>Die Logik in Webers Argumentation läuft ungefähr so: [..] Langfristig kann eine bräbendale landbeherrschende Klasse dem Entstehen einer wirklich zentralisierten Monarchie besser Widerstand leisten als eine feudale landbesitzende Klasse: denn das feudale Wertsystem kann vom König insofern benutzt werden, als er sich selbst zur Spitze eines einzigen hierarchishen Systems feudaler Beziehungen machen kann, um ein auf sich selber gerichtetes Loyalitätssystem zu errichten. Dieses System kann einfach die personalen Elemente abwerfen und zur Loyalität einer Nation gegenüber werden, die der König verkörpert. <strong>Der Präbendalismus, der viel mehr ein vertragliches System als der Feudalismus ist, kann durch solch mystische Bindungen nicht überlistet werden</strong>.<br />
[..]</p>
<p style="padding-left: 30px;">Es war daher eine allgemeine Folge des orientalischen Patrimonialismus und seiner Geldpfründen: daß regelmäßig nur militärische Eroberungen des Landes oder erfolgreiche Militär- oder religiöse Revolutionen <strong>das feste Gehäuse der Pfründerinteressen</strong> sprengten, ganz neue Machtverteilungen und damit neue ökonomische Bedingungen schaffen konnten, <strong>jeder Versuch einer Neugestaltung von innen aber an jenen Widerständen scheiterte</strong>. Die große historische Ausnahme bildet, wie gesagt, der moderne europäische Okzident. Zunächst deshalb, weil er der Befriedung in einem einheitlichen Reich entbehrte. Wir erinnern uns, daß die gleichen Staatspfrünerschicht, welche im Weltreich die rationalisierung der Verwaltung hemmte, dereinst in den Teilstaaten ihr mächtigster Förderer gewesen war. Aber der Anreiz war nun fortgefallen. <em>Wie die Konkurrenz um den Markt die Rationalisierung der privatwirtschaftlichen Betriebe erzwang, so erzwang bei uns und indem China der Teilstaatenzeit die Konkurrenz um die politische Macht die Rationalisierung der staatlichen Wirtschaft und Wirtschaftspolitik</em>.<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1509-die-prabendale-gesellschaft/#footnote_1_673" id="identifier_1_673" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Weber, Max: Wirtschaftsethik der Weltreligionen. Konfuzianismus und Taoismus, T&uuml;bingen 1920">2</a></sup></p>
<p>[..]</p></blockquote>
<p><strong>Anmerkung, versuchsweise:</strong><br />
&#8230; ersetze &#8220;Steuerpfründe&#8221; mit &#8220;Aktiengesellschaft&#8221; und mit &#8220;Geschäftsführung privatisierter bzw. liberalisierter Unternehmen&#8221;<br />
&#8230; ersetze &#8220;Lehen&#8221; mit &#8220;Unternehmen im Familienbesitz, mit GmbH etc.&#8221;<br />
&#8230; ersetze &#8220;Ämterkauf&#8221; mit &#8220;Aktienpaketkauf&#8221; und mit &#8220;Werbebudget&#8221;<br />
&#8230; ersetze &#8220;Pfründerinteressen&#8221; mit &#8220;Shareholderinteressen&#8221;<br />
&#8230; ersetze &#8220;Staatspfrünerschicht&#8221; mit &#8220;Managerkaste&#8221;</p>
<p>und weiter <img src='http://www.kellerabteil.org/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  :</p>
<blockquote><p>Um [im Ming-China] ihre Karriere zu fördern, machte sich ein erheblicher Teil der gebildeten Klassen, die aus der Mittelklasse stammten, freiwillig zu Kastraten. Dank ihrer Bildung konnten sie eine hervorragende Rolle spielen, und in Wirklichkeit wurde das Reich von diesen Eunuchen regiert.</p>
<p>Nachdem sie einmal hohe Posten erlangt hatten, unterstützten sie ihre Familien und schufen sich durch Verteilung von Ämtern und Lehen eine Klientel und wurden so zu wahren Mächten innerhalb des Reiches. Daher scheint die wichtige Rolle, die die Eunuchen gespielt haben, eine Funktion des Aufstiegs der Bourgeoisie zu sein. Die Fürsten von Geblüt und die bedeutenden Männer (<em>les grands</em>) suchten sich durch die Schaffung einer Klientel zu verteidigen, die ebenfalls aus Gebildeten aus der Mittelklasse bestand und die sie dann im öffentlichen Dienst schneller voranbrachten. [..] Diese Kämpfe (zwischen der traditionellen Eunuchenschicht, den Adligen und der Ming-Dynastie) waren um so ernsthafter, da die Fürsten von Geblüt, die wichten Männer und die Eunuchen alle eine Machtbasis als Landaufseher (<em>maîtres du sol</em>) hatten. Die Mings hatten versucht, ihre Position durch die Schaffung einer Art Feudalismus aus Verwandten und Anhängern wieder zu stärken. [..] Bei diesem Stand der Dinge waren die Bauern die Opfer.<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1509-die-prabendale-gesellschaft/#footnote_2_673" id="identifier_2_673" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Mousnier, Roland: Histoire G&eacute;n&eacute;rale des Civilisations, Paris 1954">3</a></sup></p></blockquote>
<p>&#8230; ersetze &#8220;Eunuchenklientel&#8221; mit &#8220;Funktionäre aus den Apparaten der Volksparteien&#8221;<br />
&#8230; ersetze &#8220;Fürsten von Geblüt&#8221; mit &#8220;Geldadel&#8221;<br />
&#8230; ersetze &#8220;Ming-Dynastie&#8221; mit &#8220;Staat&#8221;<br />
&#8230; ersetze &#8220;Landaufseher&#8221; mit &#8220;Aufsichtsrat&#8221;<br />
&#8230; ersetze &#8220;Bauern&#8221; mit &#8230;</p>
<p style="text-align: right; ">aus: <strong><a href="http://de.wikibooks.org/wiki/Soziologische_Klassiker/_Wallerstein,_Immanuel" target="_blank" class="broken_link">Wallerstein, Immanuel</a></strong> (2004 [1974]):<br />
Das moderne <a href="http://www.praxisphilosophie.de/weltsystem.htm" target="_blank" class="broken_link">Weltsystem</a> I, S. 64-65</p>
<p style="text-align: center; ">&#8212;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_673" class="footnote">Im Glossar zu Max Weber,<em> The Religion of China</em>, New York 1951, schreibt Hans Gerth:  »Präbende«: das Recht eines Amtsinhabers, aus Staats oder Kirchenland oder aus anderen öffentlichen Einkünften Gewinne zu erzielen. Weber bezeichnet solche Amtsinhaber als »Präbendare«, also Amtspfründer. <strong>Ein politisches System auf der Grundlage einer Körperschaft von Präbendaren nennt Weber »Präbendalismus«</strong>.</li><li id="footnote_1_673" class="footnote">Weber, Max: Wirtschaftsethik der Weltreligionen. Konfuzianismus und Taoismus, Tübingen 1920</li><li id="footnote_2_673" class="footnote">Mousnier, Roland: Histoire Générale des Civilisations, Paris 1954</li></ol><p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/12/sozi-5009-weltvernichtungsmaschine/' rel='bookmark' title='SoZi 50|09: WeltVernichtungsMaschine'>SoZi 50|09: WeltVernichtungsMaschine</a></li>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/06/legitimation-betrifft-nicht-die-massen-sondern-die-kader/' rel='bookmark' title='SoZi 23|09: Legitimation betrifft nicht die Massen, sondern die Kader'>SoZi 23|09: Legitimation betrifft nicht die Massen, sondern die Kader</a></li>
<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1409-die-zerstreute-gesellschaft/' rel='bookmark' title='SoZi 14|09: die zerstreute Gesellschaft'>SoZi 14|09: die zerstreute Gesellschaft</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kellerabteil.org/2009/04/sozi-1509-die-prabendale-gesellschaft/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
<!-- WP Super Cache is installed but broken. The path to wp-cache-phase1.php in wp-content/advanced-cache.php must be fixed! -->
