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	<title>kellerabteil 2.0 &#187; Kultur</title>
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		<title>wörter mit zeichen verwechseln schafft nich x n 5jähriger. ich schon.</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Mar 2010 18:54:07 +0000</pubDate>
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<li><a href='http://www.kellerabteil.org/2009/10/unsereuni-impressionen/' rel='bookmark' title='unsereuni impressionen'>unsereuni impressionen</a></li>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>buttere den das textfragment daher mit genervtem schwung hier rein und mach mich an den vollkommenen umbau &#8230;</p>
<p style="text-align: center;">&#8212;</p>
<p><strong>einreichung prix ars electronica &#8211; kategorie digital communities</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>the ubiquitous unibrennt cloud</em></p>
<h3>Projektbeschreibung</h3>
<p>Mit unibrennt wird kein Projekt einer ,digital community‘ eingereicht sondern ein Ereignis. Diese Vorbemerkung liegt insofern auf der Hand, als es sich in der Konsequenz hier nicht um eine Projektbeschreibung handeln kann sondern um eine Ereignisbeschreibung.</p>
<p><span id="more-1202"></span>Das, was da ausgehend von den Nachmittagsstunden des 22. Oktober 2009 explodiert ist und binnen Minuten zu etwas Neuartigen zu emergieren begonnen hat, war zu keinem Zeitpunkt ein geplantes oder nur planbares Projekt. Was sich da in den folgenden Tagen und Wochen in selbstorganisiertem Chaos herausgebildet hat, kann adäquat nur als Emergenz einer neuen sozialen Bewegung verstanden werden.</p>
<p>Der Ereignisbegriff gegenüber dem Projektbegriff markiert eine der grundlegenden Charakteristika des Phänomens unibrennt. Die Beurteilung dieses Ereignisses kann nur gerecht werden, wer den gravierende Unterschied dieses spontanen und unwahrscheinlichen Ereignisses mit dem üblicheren Regelfall einer Initiative oder eines Start-Up Projekts in Betracht zieht.<br />
Ohne den Einsatz von Projektmanagement und die Abfolge gesteuerter Projektphasen, ohne die Formulierung der Vision und (Geschäfts-)Idee, die Festlegung von Zielen, Maßnahmen und Aufgaben, ohne den Einsatz von Projektbudgets und Professionisten ist diese Bewegung binnen Stunden entstanden, binnen Tagen explodiert und hat binnen weniger Wochen eine Infrastruktur, Organisationskapazität,  einen Vernetzungsgrad, eine Beteiligung und ein Archiv aufgebaut, wie das viele erfolgreiche Initiativen und Projekte in Jahren nicht erreichen.</p>
<p>Bis heute ist schwer zu fassen, zu benennen und zu charakterisieren, was unibrennt (alles) ist. Konsens besteht darüber, dass es sich beim Ereignis unibrennt um eine Protestbewegung handelt. Unbestritten ist, dass wir es mit einer außerparlamentarischen Form der Selbstorganisation zu tun haben und mit der politischen Manifestation eines ,brennenden‘ gesellschaftspolitischen Interessenskonflikts.<br />
Es ist evident, dass unibrennt als singuläres Ereignis mit eigenem Rang in die Analen der Zeitgeschichte eingehen wird. Aber auch in der fachspezifischen Geschichtsschreibung mancher gesellschaftlicher Teilbereiche ist bereits einiger Platz reserviert. So wird u.a. in der Geschichte der Protestbewegungen das Ereignis unibrennt zu berücksichtigen sein, in der Geschichte der Universitäten und der Hochschulreformen und sicherlich in den Analen des web2.0 und in der Geschichte der Netzkultur.</p>
<p><strong>Politische Aktion, soziale Bewegung und digital community</strong></p>
<p>Die Bewegung unibrennt hat viele Hörsäle und Räumlichkeiten auf einer Vielzahl von Universitäten, Akademien und Fachhochschulen in mehreren Ländern besetzt und über Wochen besetzt gehalten. Über Wochen sind große Mengen von Menschen bei Demonstrationen auf die Straße gegangen und haben Aktionen an den umkämpften Hochschulen und im öffentlichen Raum abgehalten. Millionen Menschen haben über klassische Massenmedien von den Protesten erfahren. Hunderttausende Menschen konnten und haben sich mittels der eigenen und autonomen unibrennt-Medienkanäle über die Geschehnisse, Hintergründe und Forderungen informiert. Und immer noch Zehntausende haben mittels dieser Kanäle an den Protesten partizipiert, sich aktiv beteiligt und die Bewegung mitorganisiert.</p>
<p>Die Bewegung unibrennt gewinnt in den ersten Wochen jene Bedeutung und Präsenz, die ihr Solidaritätsbekundungen und Anteilnahme aus verschiedenen Teilen der Bevölkerung, aus diversen gesellschaftlichen Feldern und international aus vielen Ländern einbringt. Bildungs- und Universitätspolitik wird in Österreich das erste Mal seit Jahrzehnten zum omnipräsenten, relevanten und breit diskutierten Thema; in den klassischen massenmedial konstruierten Räumen (Tageszeitung, Magazine, Radio und Fernsehen), auf der Straße und vor allem im Netz.<br />
Die Proteste breiten sich flächenbrandmäßig im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus aus. Ziemlich einhellig bedanken sich SympathisantInnen und selbst Gegner der Bewegung dafür, das Thema Bildungspolitik wieder in den Mittelpunkt öffentlicher Debatte gebracht zu haben. Diese Debatte erhält permanente Nahrung von den Brennpunkten des Protests; und diese sind in und rund um die besetzten Hörsäle ebenso zu finden wie im Netz auf diversen social network Plattformen, den Postingforen der Massenmedien oder der Homepage, dem Wiki und dem Livestream von unibrennt.</p>
<p>Während Minister, Parteipolitiker, JournalistInnen und Kommentatoren beklagen, dass die Bewegung keinen Kopf, keine SprecherInnen und keine zentrale Führung hat, zwingt die allgegenwärtige Präsenz der Bewegung, die ubiquitous cloud unibrennt, den österreichischen Bundesminister zur Freigabe zusätzlicher Millionenbeträge, PolitikerInnen zur Anerkennung der brennenden Probleme und die Massenmedien zur Auseinandersetzung und Berichterstattung.<br />
Vor dem beständigen Druck durch die ubiquitous cloud unibrennt fühlt sich die österreichische Bundesregierung genötigt, Minister Hahn nach Brüssel abzuschieben und das zuständige Ressort für möglichst lange Zeit unbesetzt und damit weniger angreifbar zu machen. Offensichtlich sucht die SPÖ-ÖVP Koalition in Anerkennung der unibrennt Organisationskraft Stärken der basisdemokratischen Bewegung zu kopieren. Sie entzieht den Protestierenden den befugten Verhandlungspartner auf Regierungsseite, um die Auseinandersetzung mit der Bewegung lokal und direkt bei den vielen kleineren Brennpunkten, den einzelnen Universitäten zu führen. Ein Bildungsdialog wird ausgerufen, der Elemente ebenso der basisdemokratischen und wie auch der Netzkultur von unibrennt aufzunehmen behauptet; Teilhabe und Partizipation soll über das Netz ermöglicht, Debatten und Dialog über das Netz live gestreamt, die Ausverhandlungsprozesse und Zwischenergebnisse im Web dokumentiert und transparent gemacht werden.</p>
<p>Die Bewegung hat von Wien ausgehend Standards gesetzt, die zuerst von den Protestierenden an allen anderen Brennpunkten angenommen werden, heute bereits in die Arbeit von NGOs Eingang finden und sogar von Ministerien insofern anerkannt werden, als sie sich zu Adaptionen bemüßigt fühlen.</p>
<p><strong>Die politische Aktion als ubiquitous Cloud</strong></p>
<p>Unibrennt ist weder ein web2.0 Phänomen, noch ein Protest2.0, noch eine klassische politische Organisation, die die Möglichkeiten des Netzes besonders geschickt für die Verbreitung ihrer Anliegen zu wissen weiß. Die Akteure der Bewegung lassen sich nicht trennen in die BesetzerInnen der Hörsäle auf der einen, und in eine als ,digital community‘ arbeitende Gruppe auf der anderen Seite. Zu jedem Zeitpunkt ist die Bewegung ebenso eine ,digital community‘ wie sie eine politische Bewegung ist, autonom und selbstverwaltet funktioniert, basisdemokratische Regeln lebt, offen und selbstorganisiert arbeitet, und sich heterogen und vielschichtig über diverse Altersgruppen, Muttersprachen, Fachdisziplinen, Milieus, Professionen, Städte, Interessen und Weltanschauungen erstreckt.</p>
<p>Digital festgehalten werden bereits die ersten Minuten der Diskussion und Abstimmung vor Ort, ob das Audimax der Universtität Wien von den Anwesenden besetzt werden soll. Laptops, Mobiltelefone und Digitalkameras protokollieren und Dokumentieren seit diesen ersten Stunden das, was die unibrennt Bewegung genannt wird.<br />
Die Daten &#8211; Text, Bild, Ton, Video &#8211; werden via SMS, Email, Twitter, Livestreams, Chat und Aussendungen ebenso wie via Flugblatt, Sticker, Button, Transparent und Zeitung nach Außen getragen. Sie werden auf social network Plattformen, Blogs, Wiki und Homepage gespeichert, organisiert und abrufbar gemacht. Sie werden über diese Plattformen weiter verbreitet, ergänzt und bearbeitet, und auf diese Daten wird vor Ort der Besetzungen wieder zugegriffen.<br />
Der Zugriff erfolgt dabei über das WWW, so dass ein solches Zugreifen von jedem Ort der Welt und zu selbst gewählten Zeitpunkten geschehen kann. Das Archiv von unibrennt ist immens umfangreich und vielfältig, aufgeteilt auf diverse social network Plattformen, Wikis, Blogs, Dokumente und so weiter. Es enthält keineswegs nur Endergebnisse und Produkte wie den Forderungskatalog, Plenarbeschlüsse oder Presseaussendungen sondern gerade auch und vor allem die Prozessebene, die Debatten, Entscheidungsfindungsprozesse, in den (digitalen) Raum gestellten Ideen, Vorschläge und Fragen. Das Netz ermöglicht den Beteiligten daher nicht nur zu jedem Zeitpunkt und ortsungebunden das Einklinken in die Bewegung, sondern auch, viel wichtiger, das Ausklinken aus der Bewegung ohne Gefahr, den Anschluss und Rechte zur Partizipation zu verlieren.</p>
<p>Die unibrennt Bewegung ist in diesem Sinne so offen und allgegenwärtig wie das WWW selbst. Die ,digital community‘ bemüht sich laufend, Schnittstellen und landing pages für diverse Formen der Partizipation anzubieten und usability freundlich zu halten.</p>
<p><strong>Wissensmanagement, Organisationsentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit</strong></p>
<p>Das kollektive Gedächtnis der Bewegung und ubiquitous cloud unibrennt nutzt wie schon angesprochen Speicherkapazitäten und -strukturen von social networks wie facebook und twitter. Es bedient sich großer Plattformen wie youtube, flickr und ustream. Es hat seine Knotenpunkte im unibrennt Wiki und der unibrennt Homepage. Es erstreckt sich in seiner Gesamtstruktur aber auch auf eine Vielzahl von Arbeitsgruppen-Blogs, auf private Blogs, Fotoalben und youtube-Accounts, die Postingforen der Onlinemedien, Emailkörbe, Google-Docs und so weiter. Die ,digital community‘ unibrennt wird auch viel weniger durch die Verwendung dieser Plattformen und Tools beschrieben als durch die dichte Vernetzung all dieser Plattformen und den Gebrauch der diversen Möglichkeiten des web2.0 zur Selbstorganisation der Bewegung.</p>
<p>Die ,digital community‘ unibrennt besteht zum kleinsten Teil aus web2.0 Evangelisten und zu einem geringen Teil aus web2.0 Aficionados. Die Bewegung hat mit ihrem ereignishaften Auftreten Mittel und Wege zu ihrer Selbstorganisation und Weiterentwicklung eingesetzt, die sie vorgefunden hat. Wo eine existierende Organisation die top-down Implementierung von Wikis, Blogs, Feeds und Videokonferenzen Ressourcen- und zeitaufwendig durch Schulung, Druck und Incentives erreichen muss, hat die Bewegung in ungeheurem Tempo kollektiv gelernt.<br />
Emailkörbe werden eingerichtet und von mehreren Personen betreut, die sich im Regelfall untereinander kaum kennen. Passwörter werden alle Wochen ausgetauscht und wieder an viele Personen ausgegeben. Dokumente werden in Google-Docs organisiert, SMS-Listen für den Räumungsnotfall ebenso angelegt wie Anleitungen, wie dieser oder jener Account dieser oder jener Plattform zu bedienen ist.</p>
<p>Arbeitsgruppen gründen sich ebenso im Plenum des besetzten Hörsaales wie bei Debatten im Umfeld oder direkt im Wiki. Die Name, Ziele, Vorhaben und Kontaktdaten der Arbeitsgruppen werden im Wiki angelegt und somit allen sichtbar gemacht. In den Arbeitsgruppen selbst, so wie in den Plena wird live protokolliert. In den Hörsälen wird das Protokollieren via Beamer live übertragen. Die Protokolle werden ausgesendet, im Wiki und auf der Homepage gespeichert. Sie sind weiter bearbeitbar.</p>
<p>Anträge, Berichte und Vorschläge der Arbeitsgruppen gehen zur Vorbereitung der Plena ein. Diese Materialien liegen dem Plenum ebenso vor wie potentiell allen Interessierten, die über Wiki und Livestream zugreifen möchten. In die Plena werden auch Fernsehberichte, Grußbotschaften bis hin zu Liveeinschaltungen von anderen besetzten Hörsälen eingespielt.</p>
<p>Über twitter, Chat und facebook werden Themen, Termine und Links ausgesendet. Die Plena werden kommentiert, die Debatten erstrecken sich in den Raum der social networks und werden hier weitergetragen. Auf den Plattformen bilden sich thematische, regionale und gruppenspezifische Fanseiten, Foren und Pools. Arbeitsgruppen legen eigene Accounts auf den Plattformen an und informieren über ihr Aufgabenfeld und laden zur Mitarbeit ein. Eine Vielzahl von AdministratorInnen bespielt die verschiedenen Accounts 24 Stunden lang, 7 Tage die Woche, Monat für Monat.</p>
<p>In der Blogosphäre wird von der Bewegung berichtet und die Bewegung diskutiert. Blogeinträge fassen Debatten und Entwicklungen zusammen, ebenso wie die bisher zur Bewegung erschienen Blogartikel. Materialen &#8211; Grafiken, Fotos, Videos etc. &#8211; werden eingebunden und produziert. Ein Eselsohr Plugin für Blogs ist im Wiki downloadbar, die an der Blogdemo teilnehmenden Seiten werden im Wiki verlinkt. Eine Blogparade dokumentiert die Blogeinträge zu unibrennt.</p>
<p>Über Emailkörbe, das Wiki und das Einscannen von Zeitungen werden die Ergebnisse der Medienbeobachtung gesammelt, strukturiert, abgelegt und damit dokumentiert. Presseaussendungen, Forderungskataloge und offene Briefe gehen per Email an die Medien und per Homepage, Wiki und Links auf den Plattformen an alle.</p>
<p>Ein Team aus FotografInnen und VideofilmerInnen sowie der Arbeitsgruppe Livestream organisiert sich per Email und Twitter, dokumentiert Plena, Besetzungen, Demos, Flashmobs und so weiter. Fotos werden auf Facebook geladen, auf den unibrennt flickr account, in einen flickr pool und auf die Homepage. Videos finden sich auf youtube, unibrennt.tv und eingebettet in Homepage, Blogs und Facebook. Via twitter werden die Links zu Fotoalben und Videodokumentationen weitergeleitet.</p>
<p>Das Ereignis unibrennt emergiert überall. An den Hochschulen. Im WWW. Im Netzwerk, das zwischen den Brennpunkten der besetzten Hörsäle, der unterschiedlichen Arbeitsgruppen und den Brennpunkten auf Facebook, in der Blogosphäre und dem Wiki usw. immer dichter gespannt wird. Dieses Netzwerk ist das Ereignis. Die intensive breite und gleichberechtigte Beteiligung ist die Bewegung.</p>
<p><strong>Autonomie, Kultur, Identität</strong></p>
<p>Die selbstverständliche und vielseitige Nutzung der Möglichkeiten des Web2.0, digitaler Ressourcen und Werkzeuge hat nicht nur die Selbstorganisation und das Wissensmanagement der explosionsartig auf der politischen Bühne auftretenden Bewegung unterstützt. Der intensive und kompetente Gebrauch der vielseitigen Plattformen, Kanäle und Techniken bestimmt die Kultur dieser Bewegung und in diesem Atemzug die Identität dieser ,community‘ als auch ,digital community‘ mit.</p>
<p>Unibrennt ist anderen politischen Organisationen gegenüber vergleichsweise autonomer; unabhängiger vom Massenmediensystem und dem Goodwill der Presse und Redaktionen, unabhängiger von anderen etablierten Organisationseinheiten im Umfeld und unabhängiger auch vom Einfluss einzelner führender Akteure innerhalb der Bewegung.</p>
<p>Der selbstorganisierte Aufbau eigener Infrastruktur, Netzwerkknoten und Kommunikationskanäle hat die Bewegung befreit und sich selbstbestimmt entwickeln lassen. Unibrennt ist in der Organisation der Proteste eben gerade nicht auf ein organisatorisches backbone z.B. der Hochschülerschaft, von Parteiorganisationen oder organisierter Gruppen im universitären Feld angewiesen.<br />
Die ,digital community‘ hat sich in ihrem Programm, der Ausgestaltung der Plenaregeln, der Arbeitsgruppen und Arbeitsteilung sowie der internen und externen Kommunikationskanäle nicht nur selbst eine Verfassung gegeben sondern auch eine autarke Verwaltung aufgebaut.</p>
<p>Kaum zu überschätzen ist die Bedeutung der Medienkompetenz der ,digital community‘ unibrennt. Die vielschichtige vernetzte, Bewegung hat die Produktion und den Vertrieb ihrer Medieninhalten selbst in der Hand, die ,digital community‘ produziert unique content; und das laufend, in großer Menge und Qualität und gleichzeitig in allen Räumen der ubiquitous cloud. Die Bewegung ist ein Player im Netz.<br />
Die ,digital community‘ ist im Stande, viele Menschen und unterschiedliche Gruppierungen zu erreichen, ohne auf die Strukturen der kapitalistischen Medienlandschaft zurückgreifen zu müssen. Sie produziert nicht nur Texte, Bilder, Ton und Filme selbst, sondern hat auch die Kontrolle über eigene Vertriebskanäle und die offen zugänglichen Archive. So ist es gelungen, eine eigene stabile Gegenöffentlichkeit aufzubauen. Das Archiv ist dabei nicht nur offen. Es ist ebenso lebendig wie riesig. Von jeder landing page aus &#8211; Homepage, Wiki, flickr, unibrennt.tv, youtube, &#8230; &#8211; ist das Eindringen in eine reichhaltige und vielseitige Geschichte wahrscheinlich. Hyperlinks laufen kreuz und quer und verbinden die Bestände des Archivs.<br />
Die ubiquitous unibrennt cloud verwaltet damit das Erbe der Bewegung selbst. Sie bestimmt federführend mit, wie die Geschichte über unibrennt geschrieben wird.</p>
<p>Mit der Emergenz der Bewegung ist gleichzeitig eine Kultur entstanden, die an die open source Kultur erinnernd. Die Bewegung zeugt von der hohen Kompetenz offener Entwicklung. Die Explosion von Content und Netzwerkstrukturen lebt von der Bereitschaft der Akteure, ihre eigenen Ressouren und Fähigkeiten einzubringen und ihre Arbeit frei zu geben. Logos, Bilder und Texte werden ebenso frei vertrieben. Gearbeitet wird auf und mit den eigenen Laptops, Mobiltelefonen, Kameras und Benutzeraccounts, wobei all diese „privaten“ Ressourcen wiederum geteilt und geöffnet werden. Arbeitsgruppen und Plena dokumentieren transparent alle Stufen von Entscheidungsprozessen. Termine und Kontakte sind offen einsehbar.<br />
All das zeugt also auch von der hohen Kompetenz, individuellen Kontrollverlust zuzulassen. Und der Kontrollverlust der Einzelnen festigt die Stabilität und Autonomie der gesamten ,community‘. Das Verfolgen eigener Ziele auf Kosten der Bewegung ist in diesem offenen System gleichrangiger Akteure ein minimiertes Risiko. So bringen sich sehr früh auch GegnerInnen der Bewegung aktiv in die ,digital community‘ ein. Versuche, die Bewegung zu lenken laufen ins Leere. Sie laufen in der Komplexitiät der ubiquitous cloud ins Leere, ohne dass sie durch Abschneiden von Kommunikationskanälen oder Unterdrückung von Content abgewehrt werden müssten.<br />
Die offene Kultur der basisdemokratischen Bewegung und ,digital community‘ bringt ein hohes Maß an Stabilität gegenüber Einzelinteressen und Manipulations- oder Usurpationsversuchen.</p>
<h3>Projektgeschichte</h3>
<p>Für die Emergenz des Phänomens unibrennt kann mit dem Nachmittag des Donnerstag, 22. Oktober 2009 ein genauer Geburtstermin angegeben werden. Über den Zeitraum der nächsten vier Tage, also von Freitag, 23. Oktober bis Montag, 26. Oktober 2009 und Nationalfeiertag in Österreich, explodiert dieses Phänomen in rasanter Ausdehnung. Am Ende dieser ersten Explosion ist die Kunde vom Ereignis unibrennt bei hunderttausenden Menschen angekommen, die Medienlandschaft Österreichs teilt sich einen gleich lautenden Aufmacher &#8211; Unibrennt! &#8211; auf allen Titelseiten und zehntausende Menschen sind vor Ort und im Netz involviert.<br />
Die folgenden Tage und Wochen sind von rasantem Wachstum und der Ausdifferenzierung der Bewegung nach Innen und nach Außen geprägt. Drei Wochen nach der Emergenz des Phänomens wird erstmals vom Flächenbrand gesprochen und die ,digital community‘ wächst in den gesamten deutschsprachigen Raum.</p>
<p><strong>Vorgeschichte</strong></p>
<p>Das ereignishaft wuchtige Ermergenz von etwas neuem ist nicht allein aus sich selbst heraus erklärbar. Selbst wenn das Neue keine Eltern hat, so ist die Emergenz des Phänomens unibrennt nur vor dem Hintergrund der Situation zu verstehen, in der sich dieses Ereignis entwickeln konnte.<br />
So hat auch das Ereignis eine Vorgeschichte und entwickelt sich unter Vorbedingungen, die es erst ermöglichen.</p>
<p>Drei vorangehende und unibrennt den Boden bereitende Entwicklungen müssen hier kurz angesprochen werden:</p>
<ol>
<li><em>Die grundlegende hochschulpolitische Situation</em>:<br />
Nach Jahren fortwährender Hochschulreformen, neuer Gesetze, Novellen und Implementierungswellen der neuen Gesetze und Novellen, nach Jahren der neoliberal ausgerichteten Umbauten der Universitäten ist die Situation endlich soweit eskaliert, dass das System kollabiert. Es kann kaum mehr von schlechten Bedingungen für Forschung und Lehre gesprochen werden sondern tatsächlich nur mehr von unmöglichen Bedingungen.<br />
Das Bologna-System ist an den eigenen Richtlinien gemessen gescheitert, der zuständige Minister hat über seine gesamte Amtszeit nachdrücklich vorgeführt, dass er das Wort Dialog nur in der Öffentlichkeitsarbeit kennt. Im Herbst 2009 haben die Bedingungen an der Universität Wien unhaltbare Formen angenommen. Allen Betroffenen ist bewusst, das die vorgesehenen Wege nicht gangbar sind. Die HochschülerInnenschaft kann nichts erreichen, wo schon ProfessorInnen scheitern, einen konstruktiven Dialog gibt es nicht und bald zehn Jahre internationaler Erfahrungen mit dem Bolognafiasko lassen niemanden im Zweifel, dass eine begründete Hoffnung auf Besserung bestünde.</li>
<li> <em>Der Zeitpunkt der Internetgeschichte</em>:<br />
Die selben Vorraussetzungen, die schon die Terroranschläge in Mumbai, die Wahlkampfbewegung für Barack Obama oder die Proteste im Iran zu neuartigen Ereignissen gemacht haben &#8211; zu hybriden Raum, Zeit, Gruppen, Massenmedien und Beteiligungsformen übergreifenden Netzwerken &#8211; sind auch dafür verantwortlich, dass unibrennt von Beginn an eine ,digital community‘ ist und sich selbst parallel rund um die besetzten Hörsäle und im Netz organisieren kann.<br />
Im Herbst 2009 ist im Gegensatz zur letzten Besetzung des Audimax der Uni Wien 2004 ein Großteil der Studierenden schon mit Laptops, Mobiltelefonen mit Digitalkamera und mit Benutzerkonten bei web2.0 Plattformen ausgestattet. Die Plattformen und Techniken des web2.0 sind ausreichend bekannt, dass noch vor den ersten Minuten des Besetzungsbeschlusses Nachrichten von den Geschehnissen an die Plattformen und in die Netzwerke gehen. Es existieren in Wien, Graz, Linz, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck bereits etablierte web2.0 communities, die sofort für die Bewegung in Anspruch genommen werden können. Die ,digital community‘ unibrennt schließt zudem viele lokale kleinere Netzwerkstrukturen auf unterschiedlichen Plattformen &#8211; Facebook, twitter, StudiVZ, &#8230; &#8211; mit neuen Verbindungen zu größeren Clusterstrukturen zusammen.<br />
Persönliche Bekanntschaften und auch Netzbekanntschaften verkürzen die Phasen für Absprachen und die Organisation der Selbstorganisation und gliedern in unglaublicher Geschwindigkeit Kompetenzen und Ressourcen in die Bewegung und ,digital community‘ ein.</li>
<li><em>Widerstandskultur und Malen-nach-Zahlen</em>:<br />
Zwei Tage vor dem 22. Oktober 2009 wird die Aula der Akademie der Bildenden Künste in Wien besetzt. Dieser Protest ist (noch) nicht spontan und selbstorganisiert sondern geplant und inszeniert. Proteste finden an den Universitäten laufend statt (siehe Punkt 1). Die Inszenierung des Protest an der Akademie ist ein gelungenes Beispiel und zeugt von überlegter Planung. Eine Homepage, ein Sujet, ein Slogan sind überlegt entwickelt und alles greift logisch ineinander. Die Protestform erklärt und visualisiert einfach verständlich, mit welchen Problemen die Akademie zu kämpfen hat und wogegen die Protestierenden dort auftreten.<br />
Massenmedien wie interessierte Betroffene an den anderen Universitäten nehmen die Proteste wahr. Einen Tag nach dem going-public dieser Proteste „malen-nach-zahlen“, am Mittwoch, 21. Oktober 2009 wird eine Demonstration auch für die Universität Wien angemeldet. Der Demobeginn ist für 12.00 geplant, der Treffpunkt der Platz vor der Votivkirche in Wien.</li>
</ol>
<p><strong>Die Formation der #unibrennt ,digital community‘</strong></p>
<p>Der Demonstrationszug der zukünftigen BesetzerInnen des Audimax erreicht am 22. Oktober nach einem Marsch durch das gesamte Hauptgebäude der Universität Wien gegen 14.00 den gerade nicht benutzten größten Hörsaal, das Audimax. Es wird die Besetzung beschlossen. Die ersten Nachrichten über die Besetzung gehen als Aufforderungen zur Unterstützung vor allem über twitter, aber auch sms, email, mobiltelefon und Facebook-Konten nach draussen und werden schnell weiter kommuniziert. Unterstützung trifft in Form von Schlafsäcken, Personen, Nahrungsmittel und technischem Equipment ein, womit hauptsächlich weitere Mobiltelefone, Digitalkameras und Laptops gemeint sind.</p>
<p>Parallel dazu beginnen auf diversen Plattformen im Netz die Spiele der Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit von SympathisantInnen und GegnerInnen der Besetzung. Es werden Stellungnahmen eingefordert und organisiert, Vorwürfe platziert und dementiert, die Foren der Onlinemedien bevölkert. Solidaritätserklärungen werden veröffentlicht und verlinkt, erste Bilder sind auf Facebook und über Twitter zu finden, Hashtags für die Besetzung beginnen sich durchzusetzen (#audimax, #unsereuni, #unibrennt).</p>
<p>Die BesetzerInnen diskutieren und formulieren eine Erklärung und publizieren sie auf einem Blog. Im Raum neben dem Audimax wird ein Medienzentrum eingerichtet. Eine Stunde nach dem Besetzungsbeschluss ist eine Fanpage auf Facebook eingerichtet, die zu einem bleibenden Brennpunkt der Bewegung werden soll.</p>
<p>&#8230;</p>
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		<title>Die Aufgabe der Schule</title>
		<link>http://www.kellerabteil.org/2007/09/die-aufgabe-der-schule/</link>
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		<pubDate>Sat, 15 Sep 2007 18:06:25 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[«Bildung durch Schulbildung» – Teil IV Vierter Teil der kleinen Serie über die gesellschaftliche Funktion der Schulbildung für die soziale Institution &#8220;Bildung&#8221; allgemein; und über die österreichische Schulbildung im Speziellen. &#8212; Wozu ist die Schule da? Das ist die perfekte Eröffnung für ein beliebtes Frage-Antwort-Spiel publizierender PädagogInnen und pädagogisierender PublizistInnen. Man nehme die Frage Wozu [...]
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;"><span style="color: #808080;">«<a href="http://www.kellerabteil.org/?page_id=65" target="_blank"><strong><span style="text-decoration: underline;">Bildung durch Schulbildung</span></strong></a>» – <strong>Teil IV</strong><br />
Vierter Teil der kleinen Serie über</span><span style="color: #808080;"> die </span><br />
<span style="color: #808080;"> <strong>gesellschaftliche Funktion der Schulbildung</strong> für<br />
die <strong>soziale Institution &#8220;Bildung&#8221;</strong> allgemein;<br />
und über die österreichische Schulbildung im Speziellen.</span></div>
<div style="text-align: center;">&#8212;</div>
<p><a href="http://www.elternschule.neumuenster.de/wozu_ist_schule.htm" target="_blank" class="broken_link"><em>Wozu ist die Schule da?</em></a> Das ist die perfekte Eröffnung für ein beliebtes Frage-Antwort-Spiel publizierender PädagogInnen und pädagogisierender PublizistInnen. Man nehme die Frage <em>Wozu ist die Schule da?</em> als Titel und Einleitung zur eigenen Erörterung und belehre sein Publikum sodann nach eigenem Gutdünken.<br />
Wahlweise kann auch die Frage <em>Was ist den die Aufgabe der Schule?</em> zur eigenen Steilvorlage dienen, die dann eloquent übernommen werden sollte, um seinerseits (oder ihrerseits) zum Besten zu geben, welche Aufgabe der Schule denn nun wirklich zukommt. Die einleitende Frage nach Sinn und Aufgabe der Schule ist bei allen Vorträgen, Zeitungskommentaren oder ganzen <a href="http://www.amazon.de/Wozu-Schule-Rolle-Eltern-Lehrern/dp/3608917918" target="_blank">Büchern</a> dabei ausnahmslos immer eine rhetorische. Und sie wird nach eigenem Gutdünken beantwortet. <span style="text-decoration: line-through;">Mal</span> <a href="http://www.waldorf-bw.de/05_waldorf_zeitung/Ausgabe11/Pisa_Pilger.pdf" target="_blank" class="broken_link">oft</a> <a href="http://www.schloss-schule.de/forum/hefte/Wozu_ist.pdf" target="_blank" class="broken_link">esoterisch</a>, mal <a href="http://www.gah.vs.bw.schule.de/leb1800/schule2.jpg" target="_blank" class="broken_link">streng</a>, mal <a href="http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4447&amp;Alias=wzo&amp;cob=305818" target="_blank">hilflos dümmlich</a>.</p>
<p><strong>Die Aufgabe der Schule</strong><br />
Eine Definition der Aufgabe der Schule haben wir noch im letzte Teil zu den <a href="http://www.kellerabteil.org/?p=39" target="_blank">Werten des Wahren, Schönen und Guten</a> berührt. Kommen wir zurück zum Wortlaut des Gesetzes. Diesmal sei der ganze Abschnitt vollständig zitiert.<br />
<span id="more-66"></span> Der Paragraf 2 des <a href="http://www.bmukk.gv.at/schulen/recht/gvo/schog_01.xml" target="_blank" class="broken_link">SchuOG</a>, mit dem der Gesetzgeber die <em>Aufgabe der österreichischen Schule</em> festlegt. Ich mache mir selbst die Freude von Hervorhebungen:</p>
<blockquote><p><span style="font-size: 11pt; line-height: 115%; font-family: Times New Roman"><span style="color: grey;">(1) <strong>Die österreichische Schule hat die Aufgabe</strong>, an der Entwicklung der <strong>Anlagen der Jugend</strong> nach den <strong>sittlichen</strong>, <strong>religiösen </strong>und sozialen Werten sowie nach den <strong>Werten des Wahren, Guten und Schönen</strong> durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg <strong>entsprechenden</strong> Unterricht mitzuwirken. Sie hat die Jugend mit dem für das Leben und den künftigen Beruf erforderlichen Wissen und Können auszustatten und zum selbsttätigen <strong>Bildungserwerb </strong>zu erziehen.<br />
Die jungen Menschen sollen zu gesunden, <strong>arbeitstüchtigen, pflichttreuen</strong> und verantwortungsbewußten Gliedern der Gesellschaft und <strong>Bürgern </strong>der demokratischen und bundesstaatlichen <strong>Republik Österreich</strong> herangebildet werden. Sie sollen zu selbständigem Urteil und sozialem Verständnis geführt, dem <strong>politischen </strong>und <strong>weltanschaulichen Denken anderer aufgeschlossen</strong> sowie <strong>befähigt werden, am Wirtschafts- und Kulturleben Österreichs, Europas und der Welt Anteil zu nehmen</strong> und in Freiheits- und Friedensliebe an den <strong>gemeinsamen Aufgaben der Menschheit</strong> mitzuwirken.</span></span></p></blockquote>
<p>Wir sehen, es handelt sich bei diesem Gesetzestext um ein Leitbild, um das, was heute überall nur mehr <em>&#8216;Mission Statement&#8217;</em> heißt (klar, <em>engl</em>. für &#8216;Leitbild&#8217;), die ideologische Visitenkarte.</p>
<p>Der Gesetzestext ist punkto der Formulierung vl. ziemlich veraltet. Inhaltlich ist er gleichfalls etwas anachronistisch. Das liegt am Alter des SchuOG, aber das habe ich im letzten Beitrag bereits gewürdigt.<br />
Umgekehrt sind vergleichbare Gesetzestexte mit der Funktion <em>Mission Statement</em> von der Art her nicht so anders, selbst wenn sie deutlich jüngeren Beschlussdatums sind. Hier etwa der entsprechende Paragraph des <a href="http://www.datenschutz-berlin.de/recht/bln/rv/bildung/schulg1.htm#p1" target="_blank" class="broken_link">Schulgesetzes für Berlin</a> (SchulG):<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2007/09/die-aufgabe-der-schule/#footnote_0_66" id="identifier_0_66" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Schulrecht ist in Deutschland L&auml;ndersache, die L&auml;nder haben Kultushoheit. Aus diesem Grund ist die Position des Bundesministeriums f&uuml;r Bildung gegen&uuml;ber den Kultusministerien der L&auml;nder eine recht schwache. &Uuml;brigens Schulgesetze auf Landesebene gibt es in &Ouml;sterreich trotzdem auch immer noch.">1</a></sup></p>
<blockquote><p><span style="font-size: 11pt; line-height: 115%; font-family: Times New Roman"><span style="color: grey;"><strong>§ 1 [Aufgabe der Schule]</strong><br />
Aufgabe der Schule ist es, alle <strong>wertvollen Anlagen</strong> der Kinder und Jugendlichen zur <strong>vollen Entfaltung</strong> zu bringen und ihnen ein <strong>Höchstmaß</strong> an Urteilskraft, gründliches Wissen und Können zu vermitteln. Ziel muß die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen <strong>zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten</strong> sowie das staatliche und gesellschaftliche Leben auf der Grundlage der Demokratie, des Friedens, der Freiheit, der Menschenwürde und der <strong>Gleichberechtigung der Geschlechter</strong> zu gestalten. Diese Persönlichkeiten müssen sich der Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit bewußt sein, und ihre Haltung muß bestimmt werden von der <strong>Anerkennung der Gleichberechtigung aller Menschen</strong>, von der Achtung vor jeder ehrlichen Überzeugung und von der Anerkennung der <strong>Notwendigkeit einer fortschrittlichen Gestaltung</strong> der gesellschaftlichen Verhältnisse sowie einer friedlichen Verständigung der Völker. Dabei sollen die <strong>Antike</strong>, das <strong>Christentum </strong>und die für die Entwicklung zum <strong>Humanismus</strong>, zur Freiheit und zur Demokratie wesentlichen gesellschaftlichen Bewegungen ihren Platz finden. </span></span></p></blockquote>
<p>Eins hab ich noch, eins hab ich noch. Nach dem Rhythmus <em><strong>alt </strong></em>(österreichisches: 1962), <em><strong>neuer </strong></em>(Berlin: 1980), <em><strong>noch neuer</strong></em> folgt ein weiteres Beispiel, das schon nicht mehr nur jüngeren Datums ist, sondern mit dem Entstehungsdatum 2005 quasi wirklich &#8216;jetzt! brandneu!&#8217;. Das <a href="http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Gesetze/SchulG_Info/SchulG_Text.pdf" target="_blank" class="broken_link">Schulgesetz von Nordrhein-Festfalen</a>:<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2007/09/die-aufgabe-der-schule/#footnote_1_66" id="identifier_1_66" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Paragraph 2 zu den Auftr&auml;gen der Schule umfasst im Ganzen 12!! Artikel. Bei dem Abdruck hier an dieser Stelle sind also nur die ersten S&auml;tze zitiert.">2</a></sup></p>
<blockquote><p><span style="font-size: 11pt; line-height: 115%; font-family: Times New Roman"><span style="color: grey;"><strong>§ 2 Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule</strong><br />
(1) Die Schule unterrichtet und erzieht junge Menschen auf der Grundlage des Grundgesetzes und der Landesverfassung. <strong>Sie verwirklicht</strong> die in Artikel 7 der Landesverfassung bestimmten allgemeinen Bildungs- und Erziehungsziele.<br />
(2) <strong>Ehrfurcht vor Gott</strong>, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist <strong>vornehmstes Ziel der Erziehung</strong>. Die Jugend soll erzogen werden im Geist der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen, zur <strong>Verantwortung für Tiere</strong> und die <strong>Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen</strong>, in <strong>Liebe zu Volk und Heimat</strong>, zur Völkergemeinschaft und zur Friedensgesinnung.<br />
(3) Die Schule <strong>achtet das Erziehungsrecht der Eltern</strong>. Schule und Eltern wirken bei der Verwirklichung der Bildungs- und Erziehungsziele partnerschaftlich zusammen.<br />
(4) Die Schule vermittelt die zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen <strong>und berücksichtigt dabei die</strong> <strong>individuellen Voraussetzungen</strong> der Schülerinnen und Schüler. &#8230;<br />
&#8230;<br />
</span></span></p></blockquote>
<p>Drei Beispiele für die <strong>gesetzliche Festschreibung der Aufgabe der Schule</strong>. Nun wissen wir alle, was in einem <em>Mission Statement</em> steht muss nicht allzu viel mit der Realität zu tun haben. Wir könnten die obigen gesetzlich festgeschriebenen Normen (Soll-Sätze) anderseits als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Memorandum_of_Understanding" target="_blank" class="broken_link"><em>Absichtserklärung</em></a> des Gesetzgebers und der gesetzgebenden PolitikerInnen lesen. Was meine ich damit?</p>
<p>Solche <em>Mission Statements</em> in Gesetzen haben in einer gewissen Hinsicht viel mit der Realität zu tun, mit einer politischen Realität. Sie sind lesbar als <em>Ausdruck des politischen Willens</em> und des <em>Gesellschaftsverständnisses </em>der Kräfte, die zum Zeitpunkt der Ausarbeitung und Verabschiedung von Gesetzen &#8220;an der Macht&#8221; waren. Sie demonstrieren vor allem im Vergleich etwas vom <em>Zeitgeist</em>, der <em>herrschte</em>, als ein Gesetz in Kraft trat.<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2007/09/die-aufgabe-der-schule/#footnote_2_66" id="identifier_2_66" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="F&uuml;gen wir die Begriffe &amp;#8216;Zeitgeist&amp;#8217; und &amp;#8216;herrschen&amp;#8217; zusammen, so haben wir den herrschenden Zeitgeist. In Anlehnung an Gramsci nennt man das kulturelle Hegemonie.">3</a></sup><br />
Ich möchte in diesem Beitrag gleich eine vergleichende Analyse der drei Paragraphen aus den drei Gesetzen von 1962, 1980 und 2006 anbieten, vorher allerdings noch grundsätzliches &#8230;</p>
<p><strong>Vom Sollen und Wollen</strong><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz" target="_blank" class="broken_link">Gesetze</a> sind Sammlungen von Normen, von sogenannte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Normativ" target="_blank" class="broken_link"><em>normativen</em></a> Sätzen, auch als Soll-Sätze bezeichnet. Also Sätze der Art wie</p>
<blockquote><p><em>Du <strong>sollst </strong>den Tag des Herrn heiligen.</em></p></blockquote>
<p>oder</p>
<blockquote><p><em>Man <strong>sollte </strong>2x am Tag (eine halbe Stunde nach dem Essen) gründlich Zähne putzen mit Zahnbürste, Paste und Wasser, besonders abends vor dem Schlafen gehen. Darüber hinaus <strong>soll </strong>man  2 x im Jahr zur zahnärztlichen Untersuchung.</em></p></blockquote>
<p>Soll-Sätze formulieren einen Wunsch bzw. ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Norm" target="_blank" class="broken_link"><em>wünschenswertes Verhalten</em></a>, eine Vorschrift, eine Forderung, eine Zielvorstellung, einen Auftrag, &#8230; einen Leitsatz, der für eine Gruppe von Personen oder für Alle als Norm herhalten soll, was <em>sein </em>soll.</p>
<p>An Normen sollen und können Wirklichkeiten bemessen werden. Das, was tatsächlich <em>ist</em>, das wird in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deskription" target="_blank" class="broken_link"><em>deskriptiven Sätzen</em></a>, in beschreibenden Sätzen ausgedrückt. Während normative Sätze immer einen Wunsch und <em>Anspruch an die Wirklichkeit</em> formulieren, während der Mensch in normativen Sätzen also <em>festlegt</em>, was <em>sein <strong>soll</strong></em>, beschreiben die deskriptiven Sätze das, was <em>wirklich </em>wirklich ist.<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2007/09/die-aufgabe-der-schule/#footnote_3_66" id="identifier_3_66" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und im Wort wirklich sehen wir N&auml;he nicht nur zum Begriff der Wirklichkeit sondern auch zur Wirkung. Angewandt auch unsere Gesetzestexte ist vl. zu fragen, erstens, welche Wirkung haben die gesetzlich festgelegten Normen und zweitens, welche Wirkung hat das, was im Gesetz behandelt ist tats&auml;chlich?">4</a></sup></p>
<p>Soll-Satz: <em>Am Sonntag sollen Geschäfte zu haben. Weiterhin.</em><br />
&#8216;Ist&#8217;-Satz:  <em>In definierten touristischen Zentren des Landes dürfen Geschäfte auch an Sonntagen offen halten.</em></p>
<p><strong>Anspruch und Wirklichkeit</strong></p>
<p>Der Unterschied zwischen Soll-Sätzen einerseits und einer empirisch erfassbaren (vulgo: sinnlich erfahrbaren) und beschreibbaren Wirklichkeit andererseits ist nicht schwierig zu verstehen. Und das ein <em>Soll</em>-Satz noch lange keine tatsächliche <em>Verwirklich</em>ung nachzieht, dass ist uns allen klar. Dennoch kommen uns allen die unterschiedlich zu bewertenden Ebenen von Anspruch und Wirklichkeit ständig ins Gehege, spätestens, wenn wir politische Debatten verfolgen oder uns an solchen beteiligen.</p>
<p>Nehmen wir kurz Anspruch und Wirklichkeit bezüglich der Aufgabe der Schule ins Visier. Dabei soll es sich nur um eine Vorschau handeln, denn mit Anspruch und Wirklichkeit wird sich diese Serie noch öfter und genauer auseinandersetzen.</p>
<p>Kommt die Schule ihren gesetzlich formulierten Aufgaben nach? Sehen wir uns ein paar Soll-Sätze an. Jede(r) mag selbst urteilen:</p>
<div style="text-align: center;"><a title="Die konkreter Gesetzestextformulierungen sind etwas runtergebrochen. Hab ich mir erlaubt." rel="lightbox[roadtrip]" href="/images/realitycheck2.jpg"> <img src="/images/realitycheck1.jpg" alt="" /></a></div>
<p>Und? Kommen wir alle zu gleichen Ergebnissen? Oder nur ähnlichen? Die Frage ist wohl auch, wie weit ein solcher Realitycheck sinnvoll ist.</p>
<p>Welche Art der Erkenntnis kann die Beantwortung der Frage bringen, ob die normativ festgestellte Aufgabe der Schule &#8216;in Wirklichkeit&#8217; erfüllt wird, die <em>Anlagen der Jugend</em> bestmöglich zu <em>entwickeln</em>. Keine. Außer es handelt sich um eine ganze lange und differenzierte, ihre Aussagen gut fundierende Abhandlung. Und selbst dann hätten wir keine Antwort, die einen klaren &#8216;Ja-oderNein&#8217;-Schluss zu ließe.</p>
<p><strong>Getrennte Analysen</strong><br />
Deskriptive Sätze sind gefragt. Empirische Forschung. Auf Fakten basierende Analysen. Bestandsaufnahmen, was die <em>Wirkung von Schule</em> ist. Die Beschreibung der Wirklichkeit hat – und das ist jetzt wichtig – im ersten Schritt losgelöst und <em>unabhängig </em>von den normativen Ansprüchen zu erfolgen. Geschieht dies nicht, so spielen immer <em>Erwartungs</em>- und <em>Werthaltungen</em> (die Ansprüche) massiv verzerrend in die Beschreibung der Wirklichkeit hinein.<br />
Ein Beispiel gefällig?</p>
<blockquote><p><em>In einem Interview mit dem Wochenmagazin Profil wurden Sie vor einer Woche mit der Tatsache konfrontiert, dass Bildung in Österreich vor allem eine Frage der Herkunft sei und gefragt, wie man dies ausgleichen könnte. Darauf antworteten Sie &#8220;Ich war als Bauernsohn im Gymnasium. Ich glaube nicht, dass wir soziale Barrieren im Schulsystem haben&#8221;. Sie sind also allen Ernstes der Meinung, mit Ihrem Einzelschicksal als Schüler aktuelle statistische Fakten einfach wegargumentieren zu können?</em></p>
<div>&#8230;  &#8216;<em>derStandard.at</em>&#8216;-User <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=3056393" target="_blank">im Chat mit Josef Pröll</a></div>
</blockquote>
<p>Darauf Minister Pröll, vom Online-Standard als Leiter der <a href="http://www.zukunft.at/" target="_blank" class="broken_link">ÖVP-Perspektivengruppe</a> in den Chat geladen und als solcher die <a href="http://www.doew.at/service/archiv/juli34/img/10068_2_a.jpg" target="_blank" class="broken_link">Perspektive der ÖVP</a>(?) wiedergebend. *<em>hüstel</em>*:</p>
<blockquote><p><em>Mein &#8220;Schicksal&#8221; ist ein Beispiel für viele. Es gibt <strong>keine soziale Barriere in unserem Schulsystem</strong>. Wir müssen es weiterentwickeln um jeden Kind nach seinen Neigungen und Eignungen das Beste zu ermöglichen. Nicht das Gleiche für alle sondern das Beste für jeden muss Leitsatz eine differenzierten und durchlässigen Schulmodells sein.</em><sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2007/09/die-aufgabe-der-schule/#footnote_4_66" id="identifier_4_66" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das &ouml;sterreichische Schulsystem weist nachweislich und BEWIESENERMA&szlig;EN keine soziale Barriere auf und wirkt an keiner Stelle und in keinem Fall so, dass von sozialen Barrieren gesprochen werden kann, weil &amp;#8230; sonst w&auml;re ja nichts aus dem Pr&ouml;ll Joschi geworden. Hei&szlig;t, aus dem Pr&ouml;ll Joschi h&auml;tt&amp;#8217; nichts werden k&ouml;nnen, wenn unser &ouml;sterreichisches Schulsystem an irgendeiner Stelle f&uuml;r irgendjemanden in irgendeinem Fall sozial selektiv wirken w&uuml;rde. Welch zwingende Logik. Ist das vertrottelt?">5</a></sup></p></blockquote>
<p>Was lernen wir daraus. (Ok, viel! Und nichts, was nicht schon bekannt wäre. Zugegeben, das Beispiel ist vl. ein bißchen fehl am Platz, aber ich <em>musste</em> das unterbringen. Sorry. Ich musste! Ahh.) Ich belasse es dabei, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht allein zwei Paar Schuh&#8217; sind, sondern sich schnell mal in die Quere kommen können.</p>
<p>Im nächsten Teil dieser <a href="http://www.kellerabteil.org/?page_id=65" target="_blank">Serie über Bildung</a> wird es daher in Abgrenzung von den normativ festgelegten Aufgaben der Schule dann um die Beschreibung der &#8220;tatsächlichen&#8221; <a href="http://www.kellerabteil.org/?p=81" target="_blank" class="broken_link"><em>gesellschaftlichen Funktion der Schule</em></a> gehen.<br />
Und damit kehre ich zu den Gesetzestexten und zur normativen Festlegung der Aufgabe der Schule zurück:</p>
<p><strong>Vergleich der Gesetzestexte</strong><br />
Ich habe oben die These formuliert, dass die <em>Mission Statements</em> ausdrückenden Paragraphen der Gesetzestexte in der Regel einen <em>vorherrschenden Zeitgeist</em> illustrieren. Daraus abgeleitet müsste ich sagen:<br />
Das österreichische SchuOG verdeutlicht das hegemoniale Gesellschaftsverständnis der 1950er und 60er Jahre, das berliner SchulG von 1980 drückt noch jenes der 1970er Jahre aus und jenes für Nordrhein-Westfalen spricht Bände für die heute vorherrschende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturelle_Hegemonie" target="_blank" class="broken_link">kulturelle Hegemonie</a>. Sehen wir uns die Konstanten und die Unterschiede an.</p>
<p><strong>Religiöse Werte, das Christentum und die Erfurcht vor Gott</strong><br />
Alle drei Gesetzestexte verankern das Thema &#8216;Religion&#8217; zentral unter die Aufgaben der Schule, allerdings jeweils unterschiedlich.</p>
<p>Unser SchuOG formuliert ganz in der Tradition des christlich-sozialen Bildungsbürgertums, wenn von <em>sittlichen, religiösen und sozialen Werten</em> gesprochen wird. Die Vorrangstellung des Dreigestirns der <em>Werte des Wahren, Guten und Schönen</em> verweist darüber hinaus auf eine konkrete abendländische philosophische Tradition, die <em>christlich </em>definiert ist. Die Formel von den <em>Gliedern der Gesellschaft</em> gehört ganz eindeutig in die <em><strong>katholischen Soziallehre</strong></em><strong>.</strong></p>
<p>Im berliner SchulG sind, behaupte ich, die Auswirkungen der <a href="http://oe1.orf.at/highlights/109312.html" target="_blank">Bildungsdebatten</a> und -reformen zu bemerken. Im letzten Satz werden <em>Antike und Christentum</em> erwähnt als handle es sich um eine angehängte Klarstellung. Antike und Christentum bilden hier nicht mehr die <em>Basis unseres mitteleuropäischen Bildungsverständnisses</em> (wie das aus dem österreichischen Text sehr wohl herauszulesen ist). Im Gegenteil, ihre Relevanz wird reduziert und eingegrenzt auf ihre Beiträge <em>für die Entwicklung  zum <strong>Humanismus</strong>, zur Freiheit und zur Demokratie</em>.</p>
<p>Im SchulG für NRW lässt sich sowohl der <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Backlash" target="_blank" class="broken_link">konservative Backlash</a></em> als auch die <a href="http://religion.orf.at/projekt02/news/0406/ne040623_euverf_fr.htm" target="_blank">europäische </a>Wertedebatte ablesen, die seit Jahren in Abwehr eines türkischen EU-Beitritts geführt wird. An allererster Stelle steht die <em>Erfurcht vor Gott</em>! Blasphemie wird unter Strafe gestellt? <a href="http://stjosef.at/morallexikon/ehrfurch.htm" target="_blank" class="broken_link"><em>Ehrfurcht vor Gott</em></a>. Keine christlichen religösen Werte, die durch die Schule vermittelt werden sollen. Kein Bekenntnis zur christlich-abendländischen Geschichte, der im schulischen Unterricht eine hervorragende Rolle zukommen soll. Nein, die Schule soll zu <em><strong>Erfurcht </strong>vor Gott </em>erziehen. Und in weiterer Folge <em>auch </em>– kommt das nur mir wie ein Zugeständnis vor? – <em>zur <strong>Duldsamkeit </strong>und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen</em>.</p>
<p><strong>Die Glieder der Gesellschaft und die gesellschaftlichen Verhältnisse</strong><br />
Die Jugend soll in der Schule zu <em>Gliedern der Gesellschaft</em> erzogen werden, darin sind sich die drei Texte einig. D.h., <em>durch die Schule</em> soll aus der Masse der ihr überantworteten Kinder und Jugendlichen die differenzierte Gesellschaft der für die <em>Allgemeinheit wertvoller Individuen</em> herangebildet werden.<br />
Die Schule ist nicht für das Individuum da sondern für die Allgemeinheit. Das wird an solchen Stellen glasklar und das war in der historischen Entwicklung immer so, ist heute so, wird so bleiben.</p>
<p>Was sich nun in den <em>Mission Statements</em> abweicht, das sind die Vorstellungen von dem, was ein wertvolles Individuum mitbringen muss und die Definition dessen, was die Allgemeinheit ist.</p>
<p>Das SchuOG wünscht, es mögen <em>arbeitstüchtige, pflichttreue und verantwortungsbewusste <a href="http://members.chello.at/nikolaus.werle/ksl.htm" target="_blank" class="broken_link">Glieder der Gesellschaft</a></em> durch die Schule geschaffen werden. Hier zeigt sich im Text aus den frühen 1960er Jahren noch das Gesellschaftsbild der Unterordnung des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Individualismus" target="_blank" class="broken_link"><em>Individuums</em></a> unter die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft" target="_blank" class="broken_link"><em>Gemeinschaft</em></a> vor. Diese Gemeinschaft, das ist zuerst eine katholische Gemeinschaft, worauf einige Formeln verweisen (siehe oben) und außerdem der <strong><em>Staat</em></strong>, die demokratische und bundesstaatliche Republik Österreich, mit ihrer <em>Wirtschaft </em>und <strong><em>Kultur</em></strong>.<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2007/09/die-aufgabe-der-schule/#footnote_5_66" id="identifier_5_66" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In der Summe der Formulierungen und S&auml;tze w&uuml;rde ich sagen, dass hier ein im Kern auf die hegelsche Rechtslehre zur&uuml;ckgreifendes Idealbild vom Staat, der Kirche und dem pflichtbewussten B&uuml;rger gezeichnet wird.">6</a></sup></p>
<p>Das Schulgesetz für Berlin stellt die <em>Kinder und Jugendlichen</em> und deren Entwicklung zu <em>Persönlichkeiten</em> in den Vordergrund. Staat und Gesellschaft kommen nur als <em>staatliches und gesellschaftliches &#8216;Leben&#8217;</em> vor, von der Nation, dem Volk, der Heimat oder der Kultur wird nicht gesprochen.<br />
Für das <em>staatliche und gesellschaftliche Leben</em> sollen Persönlichkeiten erzogen werden, die dieses Leben und die <em>gesellschaftlichen Verhältnisse gestalten </em>können. Das hier zum Ausdruck kommende Gesellschaftsbild verlangt also kein <em>Sich Einfügen</em> (Unterordnen) in eine Gemeinschaft sondern ein aktives Gestalten eines offenen Zusammenlebens (<em>&#8216;gesellschaftliche Verhältnisse&#8217;</em>), es verlangt <em>Partizipation</em>. &#8216;<em>Leben</em>&#8216;, der Begriff weist nicht die Grenzen nationaler, heimatlicher oder kultureller Rückbindungen auf, &#8216;<em>Leben</em>&#8216; verweist auf Zusammenleben.<br />
Hier wird nun logisch nachvollziehbar die Formel der <em><strong>Allgemeinheit</strong> </em>verwendet, die eben keine Begrenzung kennt und keine Kriterien, wer dazu gehört und wer nicht. Die Schule soll Kinder und Jugendliche auf ein <em>verantwortliches </em>Leben <em>gegenüber der Allgemeinheit </em>vorbereiten.</p>
<p>Das Schulgesetz für NRW ein Vierteljahrhundert später spricht von eigenständigen , <a href="http://www.single-generation.de/glossar/individualisierung.htm" target="_blank" class="broken_link"><em>individualisierten</em></a> Individuen. Die Schule <em>fördert</em> – es gibt im Text kaum ein <em>&#8216;soll&#8217;</em>, eine Vielzahl von Anforderungen, Aufträgen und Grenzen, aber auf nichts <em>soll abgezielt</em> werden, alles <em>wird</em> gemacht – die <em>Entfaltung der Person, die Selbstständigkeit ihrer Entscheidungen</em>. Die SchülerInnen habe das <em>selbstständige und eigenverantwortliche Handeln</em> zu lernen und das <em>Vertreten der eigene Meinung</em>. <sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2007/09/die-aufgabe-der-schule/#footnote_6_66" id="identifier_6_66" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Teilweise aus dem oben nicht zitierten Teil des SchulG von NRW, siehe obigen Hyperlink.">7</a></sup> Und all das schafft die Schule unter <em>Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler</em>.<br />
Die geforderte <strong><em>Selbstständigkeit </em></strong>und <strong><em>Eigenverantwortung </em></strong>ist nicht unbegrenzt, sie hat sich an einen definierten Rahmen zu halten, der vom SchulG Nordrhein-Westfalens in für Gesetzestexte unüblicher Redundanz wiederholt wird. Dieser Rahmen ist gesetzt durch die Grundlage des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland" target="_blank" class="broken_link"><em>Grundgesetzes</em></a> und die Landesverfassung.<br />
Und:</p>
<blockquote><p><em>Schülerinnen und Schüler werden befähigt, verantwortlich am sozialen,<br />
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen<br />
Leben teilzunehmen und ihr eigenes Leben zu gestalten.</em></p></blockquote>
<p>Zusätzlich anzuerziehen ist noch <em>die Liebe zu Volk und Heimat</em>.<sup><a href="http://www.kellerabteil.org/2007/09/die-aufgabe-der-schule/#footnote_7_66" id="identifier_7_66" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Man gebe diese beiden Begriffe Volk und Heimat versuchsweise einmal in Google ein. Na? Schon probiert? Der schnellste Weg, um auf rechtsextreme Seiten zu kommen. Nur rechtsextreme Seiten unter den ersten Treffern, oder?">8</a></sup> Darüber hinaus wert das heraus zu streichen ist, dass dieser Gesetzestext an mehreren Stellen nicht nur von der Verantwortung des Individuums sondern auch von jener der Eltern spricht.</p>
<p><strong>Frieden, Freiheit, Menschenwürde u.s.w.</strong><br />
Bei den bisherigen Betrachtungen und Vergleichen ausgelassen und ausgespart geblieben sind die besonderen Sensibilisierungen. <em>Wofür</em>, fordert der Gesetzgeber, soll die Schule die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen besonders sensibilisieren?<br />
Ein paar Antworten sind immer gleich: <em>Frieden</em>, <strong><em>Freiheit</em></strong>, <em>Demokratie</em>,<em> <strong>Menschenwürde</strong> </em>und weltanschauliche Toleranz.</p>
<p>Darüber hinaus gibt es Unterschiede, die in diesem Fall weniger auf verschiedene Gesellschaftsauffassungen verweisen als auf eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung.</p>
<p>Ein kleines unscheinbares aber bemerkenswertes Wort findet sich im österreichischen <em>Mission Statement</em> aus den frühen 1960er Jahren. Die <em>Jugend </em>der Alpenrepublik sollen explizit zu &#8216;<strong><em>gesunden</em></strong>&#8216; Bürgern herangezogen werden.Tja, der Grund vl.: die Entdeckung der Hygiene und der Volksgesundheit lag damals noch nicht so lange zurück.!?</p>
<p>Im Gesetzestext Berlins, jenes West-Berlins des kalten Kriegs, soll als vorrangige besondere Sensibilität die <strong>Widerstandskraft </strong>gegen die <em>Ideologie des Nationalsozialismus  und alle anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren herangebildet</em> werden.<br />
Aus der Zeit heraus (für einen Gesetzestext wohl) neu ist die geforderte Fähigkeit, eine  Gesellschaftsform mitgestalten zu können, in der die <strong><em>Gleichberechtigung der Geschlechter</em></strong> verwirklicht sein sollte. Das SchulG Berlins schreibt dazu noch fest, dass durch die Schule herangebildete <em>Haltung </em>von der <em>Anerkennung  der Gleichberechtigung aller Menschen bestimmt</em> sein sollte.</p>
<p>Die Gleichberechtigung aller Menschen findet im Text des SchulG von Nordrhein-Westfalen keine explizite Erwähnung mehr, schon aber <em>der Grundsatz der Gleichberechtigung der<br />
Geschlechter</em>. Darüber hinaus wird hier nun noch festgeschrieben, dass das <em><strong>Verantwortungsbewusstsein für die Natur</strong> und die Umwelt</em> geschult werden soll, <em>für Tiere und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen</em>.</p>
<p><strong>Die Bezeichnungen der Objekte schulischen Aufgaben</strong><br />
Das Gesetz von 1962 definiert &#8216;<em>die Jugend</em>&#8216; als Objekt der Tätigkeit der Schule und wünscht als Ergebnis &#8216;<em>Bürger</em>&#8216;.<br />
Das Gesetz von 1980 definiert &#8216;<em>Kinder und Jugendliche</em>&#8216; als Objekt der schulischen Tätigkeit und fordert &#8216;<em>Persönlichkeiten</em>&#8216; als Ergebnis dieser Tätigkeit im Sinne des Auftrags.<br />
Das Gesetz von 2005 definiert das Objekt der schulischen Tätigkeit mit &#8216;<em>der junge Mensch</em>&#8216;, der in der Schule zu &#8216;<em>Schülerin und Schüler</em>&#8216; wird, darüber hinaus aber kaum bezeichnet ist. Als einziger Gesetzestext differenziert jener von NRW die Objekte: nach <em>individuellen Voraussetzungen</em>, nach <em>Behinderungen</em>, nach <em>ethnischen, kulturellen und sprachliche Identitäten</em>.</p>
<p><em><strong><span style="text-decoration: underline;">Resümee</span></strong></em><br />
Der Auftrag an die österreichische Schule, wie er im SchuOG von 1962 festgelegt wird. Ich fasse zusammen:</p>
<blockquote><p><em>Produktion gesunder, pflichtbewusster und arbeitsamer Bürger und Kirchengänger. Vorbereitung dieser zukünftigen Bürger auf die Einordnung in den durch die katholische Kirche gestützten Staat, sein Wirtschaftsleben und die sittsame österreichische bürgerliche Kultur.</em></p></blockquote>
<p>Der Auftrag an die Schulen Berlins, wie festgelegt im SchulG 1980. Meine Zusammenfassung:</p>
<blockquote><p><em>Heranbildung kritischer, jede Art von Gewalt ablehnender und entgegentretender Persönlichkeiten. Vorbereitung dieser Persönlichkeiten dahingehend, dass sie selbst aktiv an der fortschrittlichen Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse mitwirken können.</em></p></blockquote>
<p>Der Auftrag an die Schulen Nordrhein-Westfalen, ausgedrückt im aktuellen SchulG von 2005. In meiner Zusammenfassung:</p>
<blockquote><p><em>Erziehung von jungen Menschen zu eigenverantwortlichen Individuen, die in Erfurcht an Gott glauben, in Liebe an das Volk und die Heimat und in Selbstverständlichkeit an die Selbstständigkeit ihrer Entscheidungen und Handlungen.  So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht, nur Individuen und ihre Familien. Amen.<br />
</em></p></blockquote>
<div style="text-align: right;"><strong>… <em>Fortsetzung folgt</em> …</strong></div>
<div style="text-align: center;">&#8212;</div>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_66" class="footnote">Schulrecht ist in Deutschland Ländersache, die Länder haben <em>Kultushoheit</em>. Aus diesem Grund ist die Position des Bundesministeriums für Bildung gegenüber den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kultusministerium" target="_blank" class="broken_link">Kultusministerien</a> der Länder eine recht schwache. Übrigens Schulgesetze auf Landesebene gibt es in Österreich trotzdem auch immer noch.</li><li id="footnote_1_66" class="footnote">Der Paragraph 2 zu den Aufträgen der Schule umfasst im Ganzen 12!! Artikel. Bei dem Abdruck hier an dieser Stelle sind also nur die ersten Sätze zitiert.</li><li id="footnote_2_66" class="footnote">Fügen wir die Begriffe &#8216;Zeitgeist&#8217; und &#8216;herrschen&#8217; zusammen, so haben wir den <em>herrschenden Zeitgeist</em>. In Anlehnung an Gramsci nennt man das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturelle_Hegemonie" target="_blank" class="broken_link"><em>kulturelle Hegemonie</em></a>.</li><li id="footnote_3_66" class="footnote">Und im Wort <em>wirklich </em>sehen wir Nähe nicht nur zum Begriff der <em>Wirklichkeit </em>sondern auch zur <em>Wirkung</em>. Angewandt auch unsere Gesetzestexte ist vl. zu fragen, erstens, welche Wirkung haben die gesetzlich <em>festgelegten</em> Normen und zweitens, welche Wirkung hat das, was im Gesetz behandelt ist tatsächlich?</li><li id="footnote_4_66" class="footnote">Das österreichische Schulsystem weist <em>nachweislich</em> und BEWIESENERMAßEN <em>keine </em>soziale Barriere auf und wirkt an <em>keiner Stelle</em> und in <em>keinem Fall</em> so, dass von sozialen Barrieren gesprochen werden kann, weil &#8230; sonst wäre ja nichts aus dem Pröll Joschi geworden. Heißt, aus dem Pröll Joschi hätt&#8217; nichts werden können, wenn unser österreichisches Schulsystem an irgendeiner Stelle für irgendjemanden in irgendeinem Fall sozial selektiv wirken würde. Welch zwingende Logik. Ist das vertrottelt?</li><li id="footnote_5_66" class="footnote">In der Summe der Formulierungen und Sätze würde ich sagen, dass hier ein im Kern auf die hegelsche Rechtslehre zurückgreifendes Idealbild vom Staat, der Kirche und dem pflichtbewussten Bürger gezeichnet wird.</li><li id="footnote_6_66" class="footnote">Teilweise aus dem oben nicht zitierten Teil des SchulG von NRW, siehe obigen Hyperlink.</li><li id="footnote_7_66" class="footnote">Man gebe diese beiden Begriffe <em>Volk </em>und <em>Heimat </em>versuchsweise einmal in Google ein. Na? Schon probiert? Der schnellste Weg, um auf rechtsextreme Seiten zu kommen. Nur rechtsextreme Seiten unter den ersten Treffern, oder?</li></ol><p>Ähnliche Einträge:<ol>
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