Archiv für das 'Maria Theresia'-tag

Die Wahrhaftigkeit der Bildung

«Bildung durch Schulbildung» – Teil II
Zweiter Teil einer – geplanten – kleinen Serie über
die gesellschaftliche Funktion der Schulbildung für
die soziale Institution “Bildung” allgemein;
und über die österreichische Schulbildung im Speziellen.

Im ersten Teil dieser Serie von Betrachtungen zu ‘Bildung‘ bin ich von Maria Theresia (1717-1780) ausgegangen, bzw. von dem populären Bild, diese “österreichische Kaiserin” habe 1774 die Schulpflicht für alle eingeführt. Das scheint halb richtig, halb falsch zu sein1.
Mit nur einem Mindestmaß an nüchternem Abstand betrachtet ist es nur mehr Humbug. Halb richtig erzeugt eben nicht halbwegs stimmige sondern ganz falsche Bilder.

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  1. Richtig, Die allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in sämmtlichen Kayserl. Königl. Erbländern wurde unterzeichnet. Richtig auch, das ist ein wichtiges Datum und bedeutete einen bedeutenden Reformschub.
    Falsch, die Vorstellung, dass damit auch nur annähernd wirklich ein durchgesetztes Schulwesen für alle durchgesetzt wurde oder auch nur die notwendige Basis geschaffen wurde. Falsch, die Vorstellung, dass dahinter die Intention eines Zugangs zu Bildung für die Bevölkerung gestanden hat; sondern vielmehr die Kontrolle eines relevant werdenden Bürgertums in den Städten. Falsch, die Vorstellung, dass das österreichische Kaiserhaus damit historisch früh nennenswerte Schritte in Richtung eines organisierten und breiten Schulwesens gesetzt hätte. Im Vergleich mit z.B. England wird deutlich, dass dort wohl zwar keine “allgemeine Verordnung” unterzeichnet wird, dafür ganz im Gegensatz zum Habsburgerreich sehr wohl ernsthaft Schulen gebaut und Lehrer beschäftigt und bezahlt werden []

tu felix austria, was darfst Du stolz sein auf die Schulpflicht seit 1774

«Bildung durch Schulbildung» – Teil I
Erster Teil einer – geplanten – kleinen Serie über
die gesellschaftliche Funktion der Schulbildung für
die soziale Institution “Bildung” allgemein;
und über die österreichische Schulbildung im Speziellen.

Das Bildungssystem Österreichs. Es hat so etwas wie eine historische Geburtsstunde. Das kann in einer Kurzfassung gut bei Wikipedia nachgelesen werden (siehe Link). Für das herausragende Ereignis, die Geburtsstunde unseres Bildungswesens, müssen wir freilich kaum nachlesen (höchstens die genaue Jahreszahl). Es ist allgemeines Wissen und sogenannte Allgemeinbildung bei uns in Österreich: die Schulpflicht ist in Österreich bereits unter Maria Theresia1 eingeführt worden.

Schulordnung Abt Felbingers

Die Eckpunkte sind klar bzw. geklärt: Maria Theresia – Einführung der Schulpflicht – historisch gesehen früh und also fortschrittlich, modern, aufgeklärt. Das ist etwas, auf das wir stolz sind.
Ok, es heißt Unterrichtspflicht und nicht die Schulpflicht. Jedenfalls ist unser Bildungssystem, das staatlich organisierte und die Gesamtheit der Bevölkerung erfassende Schulsystem, bereits deutlich vor vielen anderen europäischen Nationen aufgebaut und eingeführt worden. Das aufgeklärte Frankreich, la grande nation? 1882! Na also, vergleichsweise rückständig.

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  1. Das wird auch allenthalben in Artikeln der Tagespresse hervorgehoben, zuletzt im Standard am 17. April 2007 in einem Bericht zu den Visionen der Industriellenvereinigung für eine Schulreform in Ö. []



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