Archiv für das 'Organisation'-tag

SoZi 23|09: Legitimation betrifft nicht die Massen, sondern die Kader

… gestern Nacht beim Lesen von Immanuel Wallersteins berühmter Studie über diese Passage gestolpert. Sie zeigt knapp und präzis einen entscheidendes Kriterium von Macht und Legitimität an, das sich wohl auch bei Max Weber nirgends so konzis dargestellt findet.

Der erste relevante und banal erscheinende Schritt ist, Legitimität als immer partielle Legitimität zu begreifen:

Politische Organismen sind immer stabiler, sofern sie wenigstens partielle Legitimität erreichen. In den Analysen über den Prozeß der Legitimation wird das Problem oft eher verdunkelt, weil der Blick fast ausschließlich auf das Verhältnis von Regierungen zu der Masse der Bevölkerung gerichtet wird.

Die daran anschließenden Sätze sind typische Beispiele Wallerstein’scher Nüchternheit. Sie erscheinen sarkastisch, wie von (schwarzem?) Humor getragen und sind doch eher nur nüchterne, von euphemistischen Anflügen freie Darstellung1:

Es ist fraglich, ob in der Geschichte der Menschheit sehr viele Regierungen von der Mehrheit derer, die von ihren Regierungen ausgebeutet, unterdrückt und mißhandelt wurden, für »legitim« gehalten wurden. Die Massen mögen sich ihrem Schicksal überlassen oder trotzig widerspenstig sein, sich über ihr zeitweiliges Wohlergehen wundern oder sich aktiv auflehnen. Regierungen aber werden in der Regel ertragen, weder geschätzt noch bewundert, noch geliebt, noch nicht einmal unterstützt.

Es folgt die analytische Differenz: ‘SoZi 23|09: Legitimation betrifft nicht die Massen, sondern die Kader’ weiterlesen

  1. ich muss bei solchen Passagen trotzdem grinsen … []

Schweizer Projektmanagement zur EM

(aus aktuellem Anlass aus dem Archiv hervor geholt,
ursprünglich im Oktober 07 gepostet.)

Die braven Schweizer sind ja berühmt für ihre Gründlichkeit und Genauigkeit. Die ist bekanntermaßen sprichwörtlich! Siehe nur die weltweit verbreiteten Klischees vom typischen Schweizer.1 Und das Bild, dass wir von den nachbarschaftlichen Eidgenossen haben, das trügt nicht. Hier der Beweis!

Minutiöse Planung von … äh … kollektiven Emotionen
Genau, sie haben in einem 4-stufigen Ablaufplan gründlichst vorausgeplant, wie sich im Vorfeld der Fußball-EM die allgemeine Stimmung zu entwicklen hat. Herrlich!!! Dazu hat der Bund eigens einen Projektleiter bestellt. Und der erklärt das noch dazu so rührend, seinen 4-Stufen-Plan.
(4-Stufen-Plan mit Zielvorgabe ‘vibrr-rrra-tiiii-onn‘, genial.)

Das erklärte Ziel dieses Plans? Den legt Projektleiter Benedikt Weibel im Ö1-Interview wie folgt fest:

Die EM solle die Schweiz in Vibration bringen!

Nicht dass Sie denken, dass das nur andere könnten. Die Schweizer können schon auch vibrieren. Sie brauchen halt einen 4-Stufen-Plan dazu, aber dann wird das schon.
Und dann wird vibriert! Und zwar gründlich.

Reinhören, es ist genial. Versprochen.

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  1. Punkto Schweizerinnen fällt mir diesbezüglich übrigens kein bekanntes Klischee ein. Weiß wer warum? Bzw. … mhm … Heidi? []



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