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SoZi 12|09: Der Pseudorationalismus

Denke mir schon länger, ich kön­nte und ja, ich will eine geschätzte prax­is aus dem Odradek kopieren. ((Eklek­tik­er der ich bin.)) Und zwar han­delt es sich um des Lars Alberth prax­is, ange­wohn­heit, rei­he und blogkat­e­gorie: ‘Das Son­ntagsz­i­tat’.
Welch­es hierorts im kellerabteil2.0 nun­mal zur unel­e­gan­ten kurz­form ‘SoZi’ verkommt.  ‘Das Son­ntagsz­i­tat’ ist mir zu Nahe an ‘Das Zitat zum Son­ntag’ und ‘Son­ntagspredigt’. There­fore …

Start der SoZis mit Otto Neu­raths (1882–1945) spitzer Fed­er:

Diese Auf­fas­sung von der Mul­ti­pliz­ität des wis­senschaftlichen The­o­retisierens und Prog­nos­tizierens, aufge­baut auf der Mul­ti­pliz­ität möglich­er Pro­tokoll­sätze, muss beson­ders gegen die Anschau­ungsweise vertreten wer­den, die ich als “Pseudo­ra­tional­is­mus” kennze­ich­nen möchte. Der Pseudo­ra­tional­ist diskred­i­tiert den logis­chen Empiris­mus, wenn er die Ein­deutigkeit der Tat in Verbindung brin­gen will mit der Ein­deutigkeit der Ableitung aus Erfahrungs­dat­en, wobei er auf “die” wirk­liche Welt ver­weist, auf dies ein­deutige Etwas, das viele wenig­stens als Gren­zvorstel­lung zu ver­wen­den vorschla­gen. Der Pseudo­ra­tional­ist ist es, der gern von der “Ein­fach­heit” irgendwelch­er Aus­gangse­le­mente – seien es Sätze oder Begriffe – spricht, von der “Genauigkeit”, von der “Gewis­sheit”, die irgendwelchen Sätzen zukomme. Und wenn auch wir “Sci­en­tis­ten” bemüht sind, möglichst sys­temisch dar­nach zu streben, dass wir möglichst genaue, möglichst dauernd ver­wend­bare, möglichst ein­fache Sätze errin­gen, so wis­sen wir doch, dass grund­sät­zlich “alles fließt” und dass die Mul­ti­pliz­ität und die Unbes­timmtheit in aller Wis­senschaft lebt, dass es keine tab­u­la rasa für uns gibt, von der aus­ge­hend wir auf sicherem Boden Schichte für Schichte häufen kön­nen. Immer ste­ht die Wis­senschaft ganz grund­sät­zlich zur Debat­te.

Otto Neu­rath im Zuge seines Vor­trags bei der Vorkon­ferenz des
Ersten Inter­na­tionalen Kon­gress­es für Ein­heit der Wis­senschaft,
Prag 31.8.1934

2 Kommentare zu “SoZi 12|09: Der Pseudorationalismus”

  1. lars

    Mer­ci, hätte auch ein Sam­stagsz­i­tat wer­den kön­nen, heute war’s de fac­to ja ein Mon­tagsz­i­tat.

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  2. /sms ;-)

    danke für den hin­weis, keller­a­bteil.

    zuerst: mein “woran ich glaube” in http://magazin.rebell.tv #3 ist in einem anderen kon­text ent­standen. (ver­gl. quel­lenangabe.) mir scheint aber, dass es den­noch auch so funk­tion­iert. dann, wenn zb an die unter­schei­dung von grossväterchen heinz von förster erin­nert würde, dass es zwei arten von fra­gen geben würde:

    - entschei­d­bare fra­gen
    — unentschei­d­bare fra­gen

    will sagen: wis­senschaft macht aus unentschei­d­baren fra­gen entschei­d­bare fra­gen. oder um http://epfischer.com zu zitieren: “wis­senschaft beant­wortet ins­beson­dere jene fra­gen, welche sie sich selb­st gestellt hat.” wobei jede dieser “kom­pilierungsvorgänge” von unbeant­wort­bar (scheinen­den) fra­gen in beant­wort­bar (scheinende) frage freilich — logisch! — näch­ste unentschei­d­bare fra­gen entste­hen lässt!

    es bleibt zwin­gend: dass “glaubenssätze” for­muliert wer­den müssen. es sind sozial vere­in­barte übereinkom­men, an welche sich eine gemein­schaft zu hal­ten hat. wer sie nicht ein­hält wird gemieden. aus­geschlossen. aus­ge­spuckt. abgeschoben. (“midig”, die alten amish prak­tizieren das genau­so inten­siv wie die gemein­schaft der math­e­matik­er:) zb: wir sind math­e­matik­er, wenn wir akzep­tieren, dass die zeichen 0,1,2,3,4,…+,-,%,asf die sound­so definierten funk­tio­nen übernehmen…

    was mir gut gefällt an deinem zitat ist, dass die prozes­su­al­ität von wis­senschaftlichem arbeit­en betont wird. das ist ver­mut­lich auch der einzige clou! (ver­gl. dazu: http://blog.rebell.tv/diskursion/wissenschaft-neugieronautik.html 😉

    noch ein­mal anders zu deinem son­ntäglichen zitat:
    … und wenn dieser gedanke in den flucht­punkt getrieben wird, was unter­schei­det dann eigentlich den “pseudo­ra­tional­is­ten” vom “sci­en­tis­ten”?!? vielle­icht, dass der wis­senschafter dem pseudo­re­al­is­ten nicht zutraut, dass sie (oder ist es ein prob­lem unter män­nern?) nicht über ihre bed­ingth­eit des denkens zu reflek­tieren ver­möchte?!?

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