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but­tere den das textfrag­ment daher mit gen­ervtem schwung hier rein und mach mich an den vol­lkomme­nen umbau …

ein­re­ichung prix ars elec­tron­i­ca — kat­e­gorie dig­i­tal com­mu­ni­ties

the ubiq­ui­tous uni­bren­nt cloud

Projektbeschreibung

Mit uni­bren­nt wird kein Pro­jekt ein­er ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ ein­gere­icht son­dern ein Ereig­nis. Diese Vorbe­merkung liegt insofern auf der Hand, als es sich in der Kon­se­quenz hier nicht um eine Pro­jek­tbeschrei­bung han­deln kann son­dern um eine Ereignis­beschrei­bung.

Das, was da aus­ge­hend von den Nach­mit­tagsstun­den des 22. Okto­ber 2009 explodiert ist und bin­nen Minuten zu etwas Neuar­ti­gen zu emergieren begonnen hat, war zu keinem Zeit­punkt ein geplantes oder nur plan­bares Pro­jekt. Was sich da in den fol­gen­den Tagen und Wochen in selb­stor­gan­isiertem Chaos her­aus­ge­bildet hat, kann adäquat nur als Emer­genz ein­er neuen sozialen Bewe­gung ver­standen wer­den.

Der Ereignis­be­griff gegenüber dem Pro­jek­t­be­griff markiert eine der grundle­gen­den Charak­ter­is­ti­ka des Phänomens uni­bren­nt. Die Beurteilung dieses Ereigniss­es kann nur gerecht wer­den, wer den gravierende Unter­schied dieses spon­ta­nen und unwahrschein­lichen Ereigniss­es mit dem üblicheren Regelfall ein­er Ini­tia­tive oder eines Start-Up Pro­jek­ts in Betra­cht zieht.
Ohne den Ein­satz von Pro­jek­t­man­age­ment und die Abfolge ges­teuert­er Pro­jek­t­phasen, ohne die For­mulierung der Vision und (Geschäfts-)Idee, die Fes­tle­gung von Zie­len, Maß­nah­men und Auf­gaben, ohne den Ein­satz von Pro­jek­t­bud­gets und Pro­fes­sion­is­ten ist diese Bewe­gung bin­nen Stun­den ent­standen, bin­nen Tagen explodiert und hat bin­nen weniger Wochen eine Infra­struk­tur, Organ­i­sa­tion­ska­paz­ität, einen Ver­net­zungs­grad, eine Beteili­gung und ein Archiv aufge­baut, wie das viele erfol­gre­iche Ini­tia­tiv­en und Pro­jek­te in Jahren nicht erre­ichen.

Bis heute ist schw­er zu fassen, zu benen­nen und zu charak­ter­isieren, was uni­bren­nt (alles) ist. Kon­sens beste­ht darüber, dass es sich beim Ereig­nis uni­bren­nt um eine Protest­be­we­gung han­delt. Unbe­strit­ten ist, dass wir es mit ein­er außer­par­la­men­tarischen Form der Selb­stor­gan­i­sa­tion zu tun haben und mit der poli­tis­chen Man­i­fes­ta­tion eines ‚bren­nen­den‘ gesellschaft­spoli­tis­chen Inter­essen­skon­flik­ts.
Es ist evi­dent, dass uni­bren­nt als sin­guläres Ereig­nis mit eigen­em Rang in die Analen der Zeit­geschichte einge­hen wird. Aber auch in der fach­spez­i­fis­chen Geschichtss­chrei­bung manch­er gesellschaftlich­er Teil­bere­iche ist bere­its einiger Platz reserviert. So wird u.a. in der Geschichte der Protest­be­we­gun­gen das Ereig­nis uni­bren­nt zu berück­sichti­gen sein, in der Geschichte der Uni­ver­sitäten und der Hochschul­re­for­men und sicher­lich in den Analen des web2.0 und in der Geschichte der Net­zkul­tur.

Poli­tis­che Aktion, soziale Bewe­gung und dig­i­tal com­mu­ni­ty

Die Bewe­gung uni­bren­nt hat viele Hörsäle und Räum­lichkeit­en auf ein­er Vielzahl von Uni­ver­sitäten, Akademien und Fach­hochschulen in mehreren Län­dern beset­zt und über Wochen beset­zt gehal­ten. Über Wochen sind große Men­gen von Men­schen bei Demon­stra­tio­nen auf die Straße gegan­gen und haben Aktio­nen an den umkämpften Hochschulen und im öffentlichen Raum abge­hal­ten. Mil­lio­nen Men­schen haben über klas­sis­che Massen­me­di­en von den Protesten erfahren. Hun­dert­tausende Men­schen kon­nten und haben sich mit­tels der eige­nen und autonomen uni­bren­nt-Medi­enkanäle über die Geschehnisse, Hin­ter­gründe und Forderun­gen informiert. Und immer noch Zehn­tausende haben mit­tels dieser Kanäle an den Protesten par­tizip­iert, sich aktiv beteiligt und die Bewe­gung mitor­gan­isiert.

Die Bewe­gung uni­bren­nt gewin­nt in den ersten Wochen jene Bedeu­tung und Präsenz, die ihr Sol­i­dar­itäts­bekun­dun­gen und Anteil­nahme aus ver­schiede­nen Teilen der Bevölkerung, aus diversen gesellschaftlichen Feldern und inter­na­tion­al aus vie­len Län­dern ein­bringt. Bil­dungs- und Uni­ver­sität­spoli­tik wird in Öster­re­ich das erste Mal seit Jahrzehn­ten zum omnipräsen­ten, rel­e­van­ten und bre­it disku­tierten The­ma; in den klas­sis­chen massen­medi­al kon­stru­ierten Räu­men (Tageszeitung, Mag­a­zine, Radio und Fernse­hen), auf der Straße und vor allem im Netz.
Die Proteste bre­it­en sich flächen­brand­mäßig im gesamten deutschsprachi­gen Raum und darüber hin­aus aus. Ziem­lich ein­hel­lig bedanken sich Sym­pa­thisan­tInnen und selb­st Geg­n­er der Bewe­gung dafür, das The­ma Bil­dungspoli­tik wieder in den Mit­telpunkt öffentlich­er Debat­te gebracht zu haben. Diese Debat­te erhält per­ma­nente Nahrung von den Bren­npunk­ten des Protests; und diese sind in und rund um die beset­zten Hörsäle eben­so zu find­en wie im Netz auf diversen social net­work Plat­tfor­men, den Post­ing­foren der Massen­me­di­en oder der Home­page, dem Wiki und dem Livestream von uni­bren­nt.

Während Min­is­ter, Parteipoli­tik­er, Jour­nal­istIn­nen und Kom­men­ta­toren bekla­gen, dass die Bewe­gung keinen Kopf, keine SprecherIn­nen und keine zen­trale Führung hat, zwingt die all­ge­gen­wär­tige Präsenz der Bewe­gung, die ubiq­ui­tous cloud uni­bren­nt, den öster­re­ichis­chen Bun­desmin­is­ter zur Freiga­be zusät­zlich­er Mil­lio­nen­be­träge, Poli­tik­erIn­nen zur Anerken­nung der bren­nen­den Prob­leme und die Massen­me­di­en zur Auseinan­der­set­zung und Berichter­stat­tung.
Vor dem beständi­gen Druck durch die ubiq­ui­tous cloud uni­bren­nt fühlt sich die öster­re­ichis­che Bun­desregierung genötigt, Min­is­ter Hahn nach Brüs­sel abzuschieben und das zuständi­ge Ressort für möglichst lange Zeit unbe­set­zt und damit weniger angreif­bar zu machen. Offen­sichtlich sucht die SPÖ-ÖVP Koali­tion in Anerken­nung der uni­bren­nt Organ­i­sa­tion­skraft Stärken der basis­demokratis­chen Bewe­gung zu kopieren. Sie entzieht den Protestieren­den den befugten Ver­hand­lungspart­ner auf Regierungs­seite, um die Auseinan­der­set­zung mit der Bewe­gung lokal und direkt bei den vie­len kleineren Bren­npunk­ten, den einzel­nen Uni­ver­sitäten zu führen. Ein Bil­dungs­di­a­log wird aus­gerufen, der Ele­mente eben­so der basis­demokratis­chen und wie auch der Net­zkul­tur von uni­bren­nt aufzunehmen behauptet; Teil­habe und Par­tizipa­tion soll über das Netz ermöglicht, Debat­ten und Dia­log über das Netz live gestreamt, die Ausver­hand­lung­sprozesse und Zwis­ch­en­ergeb­nisse im Web doku­men­tiert und trans­par­ent gemacht wer­den.

Die Bewe­gung hat von Wien aus­ge­hend Stan­dards geset­zt, die zuerst von den Protestieren­den an allen anderen Bren­npunk­ten angenom­men wer­den, heute bere­its in die Arbeit von NGOs Ein­gang find­en und sog­ar von Min­is­te­rien insofern anerkan­nt wer­den, als sie sich zu Adap­tio­nen bemüßigt fühlen.

Die poli­tis­che Aktion als ubiq­ui­tous Cloud

Uni­bren­nt ist wed­er ein web2.0 Phänomen, noch ein Protest2.0, noch eine klas­sis­che poli­tis­che Organ­i­sa­tion, die die Möglichkeit­en des Net­zes beson­ders geschickt für die Ver­bre­itung ihrer Anliegen zu wis­sen weiß. Die Akteure der Bewe­gung lassen sich nicht tren­nen in die Beset­zerIn­nen der Hörsäle auf der einen, und in eine als ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ arbei­t­ende Gruppe auf der anderen Seite. Zu jedem Zeit­punkt ist die Bewe­gung eben­so eine ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ wie sie eine poli­tis­che Bewe­gung ist, autonom und selb­stver­wal­tet funk­tion­iert, basis­demokratis­che Regeln lebt, offen und selb­stor­gan­isiert arbeit­et, und sich het­ero­gen und vielschichtig über diverse Alters­grup­pen, Mut­ter­sprachen, Fachdiszi­plinen, Milieus, Pro­fes­sio­nen, Städte, Inter­essen und Weltan­schau­un­gen erstreckt.

Dig­i­tal fest­ge­hal­ten wer­den bere­its die ersten Minuten der Diskus­sion und Abstim­mung vor Ort, ob das Audi­max der Uni­ver­stität Wien von den Anwe­senden beset­zt wer­den soll. Lap­tops, Mobil­tele­fone und Dig­italk­a­m­eras pro­tokol­lieren und Doku­men­tieren seit diesen ersten Stun­den das, was die uni­bren­nt Bewe­gung genan­nt wird.
Die Dat­en — Text, Bild, Ton, Video — wer­den via SMS, Email, Twit­ter, Livestreams, Chat und Aussendun­gen eben­so wie via Flug­blatt, Stick­er, But­ton, Trans­par­ent und Zeitung nach Außen getra­gen. Sie wer­den auf social net­work Plat­tfor­men, Blogs, Wiki und Home­page gespe­ichert, organ­isiert und abruf­bar gemacht. Sie wer­den über diese Plat­tfor­men weit­er ver­bre­it­et, ergänzt und bear­beit­et, und auf diese Dat­en wird vor Ort der Beset­zun­gen wieder zuge­grif­f­en.
Der Zugriff erfol­gt dabei über das WWW, so dass ein solch­es Zugreifen von jedem Ort der Welt und zu selb­st gewählten Zeit­punk­ten geschehen kann. Das Archiv von uni­bren­nt ist immens umfan­gre­ich und vielfältig, aufgeteilt auf diverse social net­work Plat­tfor­men, Wikis, Blogs, Doku­mente und so weit­er. Es enthält keineswegs nur Endergeb­nisse und Pro­duk­te wie den Forderungskat­a­log, Ple­narbeschlüsse oder Presseaussendun­gen son­dern ger­ade auch und vor allem die Prozessebene, die Debat­ten, Entschei­dungs­find­ung­sprozesse, in den (dig­i­tal­en) Raum gestell­ten Ideen, Vorschläge und Fra­gen. Das Netz ermöglicht den Beteiligten daher nicht nur zu jedem Zeit­punkt und ort­sunge­bun­den das Ein­klinken in die Bewe­gung, son­dern auch, viel wichtiger, das Ausklinken aus der Bewe­gung ohne Gefahr, den Anschluss und Rechte zur Par­tizipa­tion zu ver­lieren.

Die uni­bren­nt Bewe­gung ist in diesem Sinne so offen und all­ge­gen­wär­tig wie das WWW selb­st. Die ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ bemüht sich laufend, Schnittstellen und land­ing pages für diverse For­men der Par­tizipa­tion anzu­bi­eten und usabil­i­ty fre­undlich zu hal­ten.

Wis­sens­man­age­ment, Organ­i­sa­tion­sen­twick­lung und Öffentlichkeit­sar­beit

Das kollek­tive Gedächt­nis der Bewe­gung und ubiq­ui­tous cloud uni­bren­nt nutzt wie schon ange­sprochen Spe­icherka­paz­itäten und -struk­turen von social net­works wie face­book und twit­ter. Es bedi­ent sich großer Plat­tfor­men wie youtube, flickr und ustream. Es hat seine Knoten­punk­te im uni­bren­nt Wiki und der uni­bren­nt Home­page. Es erstreckt sich in sein­er Gesamt­struk­tur aber auch auf eine Vielzahl von Arbeits­grup­pen-Blogs, auf pri­vate Blogs, Fotoal­ben und youtube-Accounts, die Post­ing­foren der Onlineme­di­en, Emailkörbe, Google-Docs und so weit­er. Die ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ uni­bren­nt wird auch viel weniger durch die Ver­wen­dung dieser Plat­tfor­men und Tools beschrieben als durch die dichte Ver­net­zung all dieser Plat­tfor­men und den Gebrauch der diversen Möglichkeit­en des web2.0 zur Selb­stor­gan­i­sa­tion der Bewe­gung.

Die ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ uni­bren­nt beste­ht zum kle­in­sten Teil aus web2.0 Evan­ge­lis­ten und zu einem gerin­gen Teil aus web2.0 Afi­ciona­dos. Die Bewe­gung hat mit ihrem ereignishaften Auftreten Mit­tel und Wege zu ihrer Selb­stor­gan­i­sa­tion und Weit­er­en­twick­lung einge­set­zt, die sie vorge­fun­den hat. Wo eine existierende Organ­i­sa­tion die top-down Imple­men­tierung von Wikis, Blogs, Feeds und Videokon­feren­zen Ressourcen- und zeitaufwendig durch Schu­lung, Druck und Incen­tives erre­ichen muss, hat die Bewe­gung in unge­heurem Tem­po kollek­tiv gel­ernt.
Emailkörbe wer­den ein­gerichtet und von mehreren Per­so­n­en betreut, die sich im Regelfall untere­inan­der kaum ken­nen. Pass­wörter wer­den alle Wochen aus­ge­tauscht und wieder an viele Per­so­n­en aus­gegeben. Doku­mente wer­den in Google-Docs organ­isiert, SMS-Lis­ten für den Räu­mungsnot­fall eben­so angelegt wie Anleitun­gen, wie dieser oder jen­er Account dieser oder jen­er Plat­tform zu bedi­enen ist.

Arbeits­grup­pen grün­den sich eben­so im Plenum des beset­zten Hör­saales wie bei Debat­ten im Umfeld oder direkt im Wiki. Die Name, Ziele, Vorhaben und Kon­tak­t­dat­en der Arbeits­grup­pen wer­den im Wiki angelegt und somit allen sicht­bar gemacht. In den Arbeits­grup­pen selb­st, so wie in den Ple­na wird live pro­tokol­liert. In den Hörsälen wird das Pro­tokol­lieren via Beam­er live über­tra­gen. Die Pro­tokolle wer­den aus­ge­sendet, im Wiki und auf der Home­page gespe­ichert. Sie sind weit­er bear­beit­bar.

Anträge, Berichte und Vorschläge der Arbeits­grup­pen gehen zur Vor­bere­itung der Ple­na ein. Diese Mate­ri­alien liegen dem Plenum eben­so vor wie poten­tiell allen Inter­essierten, die über Wiki und Livestream zugreifen möcht­en. In die Ple­na wer­den auch Fernse­hberichte, Grußbotschaften bis hin zu Liveein­schal­tun­gen von anderen beset­zten Hörsälen einge­spielt.

Über twit­ter, Chat und face­book wer­den The­men, Ter­mine und Links aus­ge­sendet. Die Ple­na wer­den kom­men­tiert, die Debat­ten erstreck­en sich in den Raum der social net­works und wer­den hier weit­er­ge­tra­gen. Auf den Plat­tfor­men bilden sich the­ma­tis­che, regionale und grup­pen­spez­i­fis­che Fan­seit­en, Foren und Pools. Arbeits­grup­pen leg­en eigene Accounts auf den Plat­tfor­men an und informieren über ihr Auf­gaben­feld und laden zur Mitar­beit ein. Eine Vielzahl von Admin­is­tra­torIn­nen bespielt die ver­schiede­nen Accounts 24 Stun­den lang, 7 Tage die Woche, Monat für Monat.

In der Blo­gosphäre wird von der Bewe­gung berichtet und die Bewe­gung disku­tiert. Blo­gein­träge fassen Debat­ten und Entwick­lun­gen zusam­men, eben­so wie die bish­er zur Bewe­gung erschienen Blog­a­r­tikel. Mate­ri­alen — Grafiken, Fotos, Videos etc. — wer­den einge­bun­den und pro­duziert. Ein Esel­sohr Plu­g­in für Blogs ist im Wiki down­load­bar, die an der Blogde­mo teil­nehmenden Seit­en wer­den im Wiki ver­linkt. Eine Blog­pa­rade doku­men­tiert die Blo­gein­träge zu uni­bren­nt.

Über Emailkörbe, das Wiki und das Ein­scan­nen von Zeitun­gen wer­den die Ergeb­nisse der Medi­en­beobach­tung gesam­melt, struk­turi­ert, abgelegt und damit doku­men­tiert. Presseaussendun­gen, Forderungskat­a­loge und offene Briefe gehen per Email an die Medi­en und per Home­page, Wiki und Links auf den Plat­tfor­men an alle.

Ein Team aus FotografInnen und Vide­ofilmerIn­nen sowie der Arbeits­gruppe Livestream organ­isiert sich per Email und Twit­ter, doku­men­tiert Ple­na, Beset­zun­gen, Demos, Flash­mobs und so weit­er. Fotos wer­den auf Face­book geladen, auf den uni­bren­nt flickr account, in einen flickr pool und auf die Home­page. Videos find­en sich auf youtube, unibrennt.tv und einge­bet­tet in Home­page, Blogs und Face­book. Via twit­ter wer­den die Links zu Fotoal­ben und Videodoku­men­ta­tio­nen weit­ergeleit­et.

Das Ereig­nis uni­bren­nt emergiert über­all. An den Hochschulen. Im WWW. Im Net­zw­erk, das zwis­chen den Bren­npunk­ten der beset­zten Hörsäle, der unter­schiedlichen Arbeits­grup­pen und den Bren­npunk­ten auf Face­book, in der Blo­gosphäre und dem Wiki usw. immer dichter ges­pan­nt wird. Dieses Net­zw­erk ist das Ereig­nis. Die inten­sive bre­ite und gle­ich­berechtigte Beteili­gung ist die Bewe­gung.

Autonomie, Kul­tur, Iden­tität

Die selb­stver­ständliche und viel­seit­ige Nutzung der Möglichkeit­en des Web2.0, dig­i­taler Ressourcen und Werkzeuge hat nicht nur die Selb­stor­gan­i­sa­tion und das Wis­sens­man­age­ment der explo­sion­sar­tig auf der poli­tis­chen Bühne auftre­tenden Bewe­gung unter­stützt. Der inten­sive und kom­pe­tente Gebrauch der viel­seit­i­gen Plat­tfor­men, Kanäle und Tech­niken bes­timmt die Kul­tur dieser Bewe­gung und in diesem Atemzug die Iden­tität dieser ‚com­mu­ni­ty‘ als auch ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ mit.

Uni­bren­nt ist anderen poli­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen gegenüber ver­gle­ich­sweise autonomer; unab­hängiger vom Massen­me­di­en­sys­tem und dem Good­will der Presse und Redak­tio­nen, unab­hängiger von anderen etablierten Organ­i­sa­tion­sein­heit­en im Umfeld und unab­hängiger auch vom Ein­fluss einzel­ner führen­der Akteure inner­halb der Bewe­gung.

Der selb­stor­gan­isierte Auf­bau eigen­er Infra­struk­tur, Net­zw­erk­knoten und Kom­mu­nika­tion­skanäle hat die Bewe­gung befre­it und sich selb­st­bes­timmt entwick­eln lassen. Uni­bren­nt ist in der Organ­i­sa­tion der Proteste eben ger­ade nicht auf ein organ­isatorisches back­bone z.B. der Hochschüler­schaft, von Parteior­gan­i­sa­tio­nen oder organ­isiert­er Grup­pen im uni­ver­sitären Feld angewiesen.
Die ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ hat sich in ihrem Pro­gramm, der Aus­gestal­tung der Plenaregeln, der Arbeits­grup­pen und Arbeit­steilung sowie der inter­nen und exter­nen Kom­mu­nika­tion­skanäle nicht nur selb­st eine Ver­fas­sung gegeben son­dern auch eine autarke Ver­wal­tung aufge­baut.

Kaum zu über­schätzen ist die Bedeu­tung der Medi­enkom­pe­tenz der ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ uni­bren­nt. Die vielschichtige ver­net­zte, Bewe­gung hat die Pro­duk­tion und den Ver­trieb ihrer Medi­en­in­hal­ten selb­st in der Hand, die ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ pro­duziert unique con­tent; und das laufend, in großer Menge und Qual­ität und gle­ichzeit­ig in allen Räu­men der ubiq­ui­tous cloud. Die Bewe­gung ist ein Play­er im Netz.
Die ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ ist im Stande, viele Men­schen und unter­schiedliche Grup­pierun­gen zu erre­ichen, ohne auf die Struk­turen der kap­i­tal­is­tis­chen Medi­en­land­schaft zurück­greifen zu müssen. Sie pro­duziert nicht nur Texte, Bilder, Ton und Filme selb­st, son­dern hat auch die Kon­trolle über eigene Ver­trieb­skanäle und die offen zugänglichen Archive. So ist es gelun­gen, eine eigene sta­bile Gegenöf­fentlichkeit aufzubauen. Das Archiv ist dabei nicht nur offen. Es ist eben­so lebendig wie riesig. Von jed­er land­ing page aus — Home­page, Wiki, flickr, unibrennt.tv, youtube, … — ist das Ein­drin­gen in eine reich­haltige und viel­seit­ige Geschichte wahrschein­lich. Hyper­links laufen kreuz und quer und verbinden die Bestände des Archivs.
Die ubiq­ui­tous uni­bren­nt cloud ver­wal­tet damit das Erbe der Bewe­gung selb­st. Sie bes­timmt fed­er­führend mit, wie die Geschichte über uni­bren­nt geschrieben wird.

Mit der Emer­genz der Bewe­gung ist gle­ichzeit­ig eine Kul­tur ent­standen, die an die open source Kul­tur erin­nernd. Die Bewe­gung zeugt von der hohen Kom­pe­tenz offen­er Entwick­lung. Die Explo­sion von Con­tent und Net­zw­erk­struk­turen lebt von der Bere­itschaft der Akteure, ihre eige­nen Ressouren und Fähigkeit­en einzubrin­gen und ihre Arbeit frei zu geben. Logos, Bilder und Texte wer­den eben­so frei ver­trieben. Gear­beit­et wird auf und mit den eige­nen Lap­tops, Mobil­tele­fo­nen, Kam­eras und Benutzer­ac­counts, wobei all diese „pri­vat­en“ Ressourcen wiederum geteilt und geöffnet wer­den. Arbeits­grup­pen und Ple­na doku­men­tieren trans­par­ent alle Stufen von Entschei­dung­sprozessen. Ter­mine und Kon­tak­te sind offen ein­se­hbar.
All das zeugt also auch von der hohen Kom­pe­tenz, indi­vidu­ellen Kon­trol­lver­lust zuzu­lassen. Und der Kon­trol­lver­lust der Einzel­nen fes­tigt die Sta­bil­ität und Autonomie der gesamten ‚com­mu­ni­ty‘. Das Ver­fol­gen eigen­er Ziele auf Kosten der Bewe­gung ist in diesem offe­nen Sys­tem gle­ichrangiger Akteure ein min­imiertes Risiko. So brin­gen sich sehr früh auch Geg­ner­In­nen der Bewe­gung aktiv in die ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ ein. Ver­suche, die Bewe­gung zu lenken laufen ins Leere. Sie laufen in der Kom­plex­i­tiät der ubiq­ui­tous cloud ins Leere, ohne dass sie durch Abschnei­den von Kom­mu­nika­tion­skanälen oder Unter­drück­ung von Con­tent abgewehrt wer­den müssten.
Die offene Kul­tur der basis­demokratis­chen Bewe­gung und ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ bringt ein hohes Maß an Sta­bil­ität gegenüber Einzelin­ter­essen und Manip­u­la­tions- oder Usurpa­tionsver­suchen.

Projektgeschichte

Für die Emer­genz des Phänomens uni­bren­nt kann mit dem Nach­mit­tag des Don­ner­stag, 22. Okto­ber 2009 ein genauer Geburt­ster­min angegeben wer­den. Über den Zeitraum der näch­sten vier Tage, also von Fre­itag, 23. Okto­ber bis Mon­tag, 26. Okto­ber 2009 und Nation­alfeiertag in Öster­re­ich, explodiert dieses Phänomen in ras­an­ter Aus­dehnung. Am Ende dieser ersten Explo­sion ist die Kunde vom Ereig­nis uni­bren­nt bei hun­dert­tausenden Men­schen angekom­men, die Medi­en­land­schaft Öster­re­ichs teilt sich einen gle­ich lau­t­en­den Auf­mach­er — Uni­bren­nt! — auf allen Titel­seit­en und zehn­tausende Men­schen sind vor Ort und im Netz involviert.
Die fol­gen­den Tage und Wochen sind von ras­an­tem Wach­s­tum und der Aus­d­if­feren­zierung der Bewe­gung nach Innen und nach Außen geprägt. Drei Wochen nach der Emer­genz des Phänomens wird erst­mals vom Flächen­brand gesprochen und die ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ wächst in den gesamten deutschsprachi­gen Raum.

Vorgeschichte

Das ereignishaft wuchtige Ermer­genz von etwas neuem ist nicht allein aus sich selb­st her­aus erk­lär­bar. Selb­st wenn das Neue keine Eltern hat, so ist die Emer­genz des Phänomens uni­bren­nt nur vor dem Hin­ter­grund der Sit­u­a­tion zu ver­ste­hen, in der sich dieses Ereig­nis entwick­eln kon­nte.
So hat auch das Ereig­nis eine Vorgeschichte und entwick­elt sich unter Vorbe­din­gun­gen, die es erst ermöglichen.

Drei vor­ange­hende und uni­bren­nt den Boden bere­i­t­ende Entwick­lun­gen müssen hier kurz ange­sprochen wer­den:

  1. Die grundle­gende hochschulpoli­tis­che Sit­u­a­tion:
    Nach Jahren fortwähren­der Hochschul­re­for­men, neuer Geset­ze, Nov­ellen und Imple­men­tierungswellen der neuen Geset­ze und Nov­ellen, nach Jahren der neolib­er­al aus­gerichteten Umbaut­en der Uni­ver­sitäten ist die Sit­u­a­tion endlich soweit eskaliert, dass das Sys­tem kol­la­biert. Es kann kaum mehr von schlecht­en Bedin­gun­gen für Forschung und Lehre gesprochen wer­den son­dern tat­säch­lich nur mehr von unmöglichen Bedin­gun­gen.
    Das Bologna-Sys­tem ist an den eige­nen Richtlin­ien gemessen gescheit­ert, der zuständi­ge Min­is­ter hat über seine gesamte Amt­szeit nach­drück­lich vorge­führt, dass er das Wort Dia­log nur in der Öffentlichkeit­sar­beit ken­nt.
Im Herb­st 2009 haben die Bedin­gun­gen an der Uni­ver­sität Wien unhalt­bare For­men angenom­men. Allen Betrof­fe­nen ist bewusst, das die vorge­se­henen Wege nicht gang­bar sind. Die Hochschü­lerIn­nen­schaft kann nichts erre­ichen, wo schon Pro­fes­sorIn­nen scheit­ern, einen kon­struk­tiv­en Dia­log gibt es nicht und bald zehn Jahre inter­na­tionaler Erfahrun­gen mit dem Bolog­nafi­asko lassen nie­man­den im Zweifel, dass eine begrün­dete Hoff­nung auf Besserung bestünde.
  2. Der Zeit­punkt der Inter­net­geschichte:
    Die sel­ben Vor­raus­set­zun­gen, die schon die Ter­ro­ran­schläge in Mum­bai, die Wahlkampf­be­we­gung für Barack Oba­ma oder die Proteste im Iran zu neuar­ti­gen Ereignis­sen gemacht haben — zu hybri­den Raum, Zeit, Grup­pen, Massen­me­di­en und Beteili­gungs­for­men über­greifend­en Net­zw­erken — sind auch dafür ver­ant­wortlich, dass uni­bren­nt von Beginn an eine ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ ist und sich selb­st par­al­lel rund um die beset­zten Hörsäle und im Netz organ­isieren kann.
    Im Herb­st 2009 ist im Gegen­satz zur let­zten Beset­zung des Audi­max der Uni Wien 2004 ein Großteil der Studieren­den schon mit Lap­tops, Mobil­tele­fo­nen mit Dig­italk­a­m­era und mit Benutzerkon­ten bei web2.0 Plat­tfor­men aus­ges­tat­tet. Die Plat­tfor­men und Tech­niken des web2.0 sind aus­re­ichend bekan­nt, dass noch vor den ersten Minuten des Beset­zungs­beschlusses Nachricht­en von den Geschehnis­sen an die Plat­tfor­men und in die Net­zw­erke gehen.
Es existieren in Wien, Graz, Linz, Salzburg, Kla­gen­furt und Inns­bruck bere­its etablierte web2.0 com­mu­ni­ties, die sofort für die Bewe­gung in Anspruch genom­men wer­den kön­nen. Die ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ uni­bren­nt schließt zudem viele lokale kleinere Net­zw­erk­struk­turen auf unter­schiedlichen Plat­tfor­men — Face­book, twit­ter, Stu­di­VZ, … — mit neuen Verbindun­gen zu größeren Clus­ter­struk­turen zusam­men.
    Per­sön­liche Bekan­ntschaften und auch Net­zbekan­ntschaften verkürzen die Phasen für Absprachen und die Organ­i­sa­tion der Selb­stor­gan­i­sa­tion und gliedern in unglaublich­er Geschwindigkeit Kom­pe­ten­zen und Ressourcen in die Bewe­gung und ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘ ein.
  3. Wider­stand­skul­tur und Malen-nach-Zahlen:
    Zwei Tage vor dem 22. Okto­ber 2009 wird die Aula der Akademie der Bilden­den Kün­ste in Wien beset­zt. Dieser Protest ist (noch) nicht spon­tan und selb­stor­gan­isiert son­dern geplant und insze­niert. Proteste find­en an den Uni­ver­sitäten laufend statt (siehe Punkt 1).
Die Insze­nierung des Protest an der Akademie ist ein gelun­ge­nes Beispiel und zeugt von über­legter Pla­nung. Eine Home­page, ein Sujet, ein Slo­gan sind über­legt entwick­elt und alles greift logisch ineinan­der. Die Protest­form erk­lärt und visu­al­isiert ein­fach ver­ständlich, mit welchen Prob­le­men die Akademie zu kämpfen hat und woge­gen die Protestieren­den dort auftreten.
    Massen­me­di­en wie inter­essierte Betrof­fene an den anderen Uni­ver­sitäten nehmen die Proteste wahr. Einen Tag nach dem going-pub­lic dieser Proteste „malen-nach-zahlen“, am Mittwoch, 21. Okto­ber 2009 wird eine Demon­stra­tion auch für die Uni­ver­sität Wien angemeldet. Der Demobe­ginn ist für 12.00 geplant, der Tre­ff­punkt der Platz vor der Votivkirche in Wien.

Die For­ma­tion der #uni­bren­nt ‚dig­i­tal com­mu­ni­ty‘

Der Demon­stra­tionszug der zukün­fti­gen Beset­zerIn­nen des Audi­max erre­icht am 22. Okto­ber nach einem Marsch durch das gesamte Haupt­ge­bäude der Uni­ver­sität Wien gegen 14.00 den ger­ade nicht benutzten größten Hör­saal, das Audi­max. Es wird die Beset­zung beschlossen. Die ersten Nachricht­en über die Beset­zung gehen als Auf­forderun­gen zur Unter­stützung vor allem über twit­ter, aber auch sms, email, mobil­tele­fon und Face­book-Kon­ten nach draussen und wer­den schnell weit­er kom­mu­niziert. Unter­stützung trifft in Form von Schlaf­säck­en, Per­so­n­en, Nahrungsmit­tel und tech­nis­chem Equip­ment ein, wom­it haupt­säch­lich weit­ere Mobil­tele­fone, Dig­italk­a­m­eras und Lap­tops gemeint sind.

Par­al­lel dazu begin­nen auf diversen Plat­tfor­men im Netz die Spiele der Ver­net­zung und Öffentlichkeit­sar­beit von Sym­pa­thisan­tInnen und Geg­ner­In­nen der Beset­zung. Es wer­den Stel­lung­nah­men einge­fordert und organ­isiert, Vor­würfe platziert und demen­tiert, die Foren der Onlineme­di­en bevölk­ert. Sol­i­dar­ität­serk­lärun­gen wer­den veröf­fentlicht und ver­linkt, erste Bilder sind auf Face­book und über Twit­ter zu find­en, Hash­tags für die Beset­zung begin­nen sich durchzuset­zen (#audi­max, #unsere­uni, #uni­bren­nt).

Die Beset­zerIn­nen disku­tieren und for­mulieren eine Erk­lärung und pub­lizieren sie auf einem Blog. Im Raum neben dem Audi­max wird ein Medien­zen­trum ein­gerichtet. Eine Stunde nach dem Beset­zungs­beschluss ist eine Fan­page auf Face­book ein­gerichtet, die zu einem bleiben­den Bren­npunkt der Bewe­gung wer­den soll.

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